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"Kathpress"-Jubiläum: Vom Telex zur Web-Präsenz

Leitfiguren der Katholischen Presseagentur blicken in Ö1-Reihe "Praxis" auf Veränderungen in sieben Jahrzehnten zurück - Berichte über "Sonne" in der Kirche, aber auch über "Stürme" oder "Hagel"
27.01.2017, 13:33 Uhr Österreich/Kirche/Medien/Geschichte/Kathpress/Jubiläum
Wien, 27.01.2017 (KAP) 70 Jahre "Kathpress": Anlässlich dieses am kommenden Dienstag in Wien feierlich begangenen Jubiläums haben Leitfiguren der Katholischen Presseagentur in der Ö1-Sendereihe "Praxis - Religion und Gesellschaft" auf markante Ereignisse, Phasen und Veränderungen in diesem Zeitraum zurückgeblickt. Den Wandel von vorkonziliar üblicher "Hofberichterstattung" via Telex-Netz über die Funktion als wichtige Informationsdrehscheibe in der Zeit vor dem Fall des "Ostblocks" bis hin zur heutigen vielfältigen Web-Präsenz der "Kathpress" zeichneten in der ORF-Sendung Ex-Chefredakteur Erich Leitenberger, sein Nachfolger Paul Wuthe sowie der langjährige Auslandsressort-Chef Peter Musyl nach.

Als bleibendes Grundprinzip ungeachtet der historischen und kommunikationstechnischen Veränderungen nannte Leitenberger für die Arbeit der "Kathpress" die unabhängige Berichterstattung: Die Kathpress freue sich, wenn sie darüber berichten kann, dass in der Kirche "die Sonne scheint", aber sie müsse natürlich auch über "Stürme" oder "Hagel" berichten. Damit nicht im Widerspruch stehe die "selbstverständliche Verbundenheit mit der Kirche" und deren Verantwortungsträgern. Ein weiteres Prinzip sei parteipolitische Unabhängigkeit: Auch wenn das Lagerdenken heute weitgehend überwunden sei, hat es laut Leitenberger früher durchaus Anstoß erregt, wenn ein Kirchenvertreter wie der unvergessene Konzilsvater Franz König (1905-2004) wegen seiner Brückenschläge zur Sozialdemokratie als "roter Kardinal" verunglimpft wurde - für Leitenberger damals eine Ausrede von ÖVP-Funktionären für ausbleibende Wahlerfolge.

Peter Musyl, als langjähriger stellvertretender Chefredakteur (1959-1994) bereits vor Beginn des II. Vatikanischen Konzils zur "Kathpress" gestoßen, erinnerte daran, dass in den Jahren vor diesem wegweisenden Kirchenereignis "Hofberichterstattung angesagt" gewesen sei. Erst danach seien auch kritische Berichte vorgekommen, was "nicht jedem recht" war, wie Musyl erzählte: Auch von Bischöfen habe es Beschwerden mit dem Tenor "Warum muss das sein?" gegeben. Heute habe man sich an unterschiedliche Meinungen auch innerhalb der Kirche gewöhnt, so Musyl, erst recht unter dem jetzigen Papst Franziskus, der viele lang gehegte Reformwünsche an Rom einlöse.

Als große Stärke der "Kathpress" vor der politischen Wende 1989 nannte der frühere Auslandsressort-Chef Berichte aus erster Hand jenseits des damaligen "Eisernen Vorhangs". Die "Kathpress" habe sich auf einen hochkarätigen Kreis von Informanten gestützt, die jenseits "offizieller" Berichte über Hintergründe informierten - sogar aus dem atheistischen Albanien. Auch Erich Leitenberger erinnerte daran, dass in der Zeit des geteilten Europa für die Auslandskorrespondenten in Wien "Kathpress" eine wichtige Quelle war und u.a. von der "New York Times" zitiert wurde. Kontakte wurden zu großen Persönlichkeiten der im "Osten" unterdrückten Kirche gepflegt - etwa zu Kardinal Franjo Kuharic in Kroatien, dem Prager Erzbischof Frantisek Tomasek oder Kardinal Jozsef Mindszenty in Ungarn.

"Relevantes richtig und rasch berichten"

An den "medialen Tsunami" der "Affäre Groer" erinnerte in "Praxis" der gegenwärtige Chefredakteur Paul Wuthe. Beim Umgang mit unerfreulichen Ereignissen in der Kirche helfe der Fokus auf Berichterstattung statt der Anforderung, Geschehnisse zu kommentieren. Wuthe nannte es als Aufgabe der "Kathpress", Relevantes richtig und rasch zu berichten; der gepflogene "nüchterne Agenturstil" biete im Konfliktfall auch weniger Angriffsfläche.

Dafür nützt die "Kathpress" statt Fernschreiber mit ihren fehleranfälligen Lochstreifen heute moderne Internet-Kommunikationskanäle wie Facebook oder Twitter und habe als erste kirchliche Agentur eine App kostenlos zur Verfügung gestellt, wies Wuthe hin. Ziel sei eine größtmögliche Reichweite im Bemühen, eine "verlässliche Stimme aus der Kirche" über die Themen Religion, Ökumene und wichtige gesellschaftliche Entwicklungen zu sein. Dass dies gelinge, hielt Erich Leitenberger fest: Seinen Nachfolgern in der Redaktion "streut er Rosen", wie es in der Ö1-Sendung hieß: Er bewundere den großen Output und die Professionalität des heute achtköpfigen Teams.

Ihr 70-Jahr-Jubiläum feiert die "Kathpress" am kommenden Dienstag im Wiener Raiffeisenforum. Festredner ist P. Federico Lombardi, der über Jahrzehnte die Medienarbeit für drei Päpste maßgeblich mitgestaltete, sprechen wird auch Kardinal Christoph Schönborn, der als österreichischer "Medienbischof" gleichzeitig Präsident der "Kathpress" ist.
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