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Caritasdirektor: Asylrestriktionen sind "Auftakt für Wahlkampf"

Herbert Beiglböck
Grazer Caritas-Chef Beiglböck: "Es geht ganz eindeutig nicht mehr um die Sache" - Maximal 15 Prozent der Caritasarbeit für Flüchtlinge
Flüchtlinge
21.04.2017, 10:50 Uhr Österreich/Kirche/Sozialpolitik/Flüchtlinge/Caritas/Beiglböck/Migration
Graz, 21.04.2017 (KAP) Bei den zunehmenden Restriktionen für Asylwerber gilt: "Es geht ganz eindeutig nicht mehr um die Sache." Nach dem Eindruck des Grazer Caritasdirektors Herbert Beiglböck sind die zuletzt von der Politik getroffenen bzw. beschlossenen Maßnahmen "ein Auftakt für den Wahlkampf". Der große Migrationsdruck schaffe zwar Problemstellungen, die die Gesellschaft fordern und verschiedene Maßnahmen notwendig machen. "Aber ich glaube auch, dass wir sehr gute Voraussetzungen haben, vernünftige Lösungen zustande zu bringen. Wenn wir das wollen", meinte Beiglböck in einem Interview für das "Weekend Magazin" (aktuelle Ausgabe). "Und da wäre - ich verwende bewusst den Konjunktiv - die Politik ein guter Partner."

Der steirische Caritasdirektor bedauerte, dass die soziale Arbeit und die Sozialpolitik insgesamt "sehr stark Teil der tagespolitischen Auseinandersetzung geworden" sei. Er widersprach dem Eindruck, dass sich die Caritas hauptsächlich mit Flüchtlingsthemen beschäftigt: "Flüchtlingsarbeit macht etwa zehn bis 15 Prozent unserer gesamten Arbeit aus." Kernbereiche des Caritas-Engagements seien die Basisversorgung von Bedürftigen mit Obdach, Lebensmitteln oder Energie sowie der Bereich Pflege. Generell gelte, so Beiglböck: "Wir engagieren uns für Menschen, die in Not gekommen sind ... dazu gehören auch die Flüchtlinge, aber das ist nur ein Teil unserer Arbeit."

Auf die Frage, ob er zwischen Flüchtlingen nach der Genfer Konvention und Wirtschaftsmigranten unterscheidet, antwortete Beiglböck: Die Caritas kümmere sich grundsätzlich um alle Menschen in Notsituationen - unabhängig von Religion oder Herkunft. In der konkreten Arbeit gelte es aber schon zu berücksichtigen, dass Menschen, die um ihr Leben fürchten, einen anderen Schutz brauchen als solche, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind - so legitim das auch sei.

Nach der Überzeugung des Caritas-Vertreters hat sich die westliche Welt viel zu wenig darum bemüht, den steigenden Migrationsdruck abzubauen. Entwicklungshilfe sei sträflich vernachlässigt worden, "jetzt ernten wir das Ergebnis dieser Fehlentwicklung". In der heutigen globalisierten Welt "müssen wir diese enormen Ungleichheiten zumindest etwas beheben", appellierte Beiglböck. "Wir müssen das Unsere dazu tun, dass die Menschen in Afrika eine Zukunft haben. Sonst werden wir den Migrationsdruck nicht wegbekommen."
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