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Turkson: UNO braucht umfassende Reform

Kurienkardinal fordert Aufwertung der Zivilgesellschaft, mehr Entwicklungshilfe sowie internationales Atomwaffenverbot
19.06.2017, 16:03 Uhr Vatikan/Kirche/Politik/Waffen/Migration/Turkson
Vatikanstadt, 19.06.2017 (KAP) Eine umfassende Reform der UNO fordert der Vatikanverantwortliche für Frieden und ganzheitliche Entwicklung, Kardinal Peter Turkson. Eine Stärkung der Staatengemeinschaft sei notwendig, um die "positiven Effekte der Globalisierung zu verstärken" und die negativen einzudämmen, erklärte er laut Radio Vatikan in einem Interview. Seine Reformvorschläge: Die UNO brauche neben einer Vollversammlung, die die Staaten repräsentiert, auch eine weitere "Versammlung", in der die Zivilgesellschaft, "also transnationale Sozialverbände", vertreten sei.

Dringlich sei die UNO-Reform besonders aufgrund der weltweiten Migration, so der afrikanische Kurienkardinal. Schätzungen der Weltbank und Statistiken über Binnenmigration ließen den Schluss zu, dass mehr als eine Milliarde Menschen heute Migranten seien, "also einer von sieben Erdbewohnern". Turkson wörtlich: "Migration ist heute ein globales Phänomen und muss von supranationalen Organismen angegangen werden."

Turkson warnte westliche Länder vor "einer emotionellen Lektüre des Phänomens", vor "identitärem Abkapseln" oder einer "neurotischen Suche nach Sicherheitspolitiken". Schließlich würden 85 Prozent aller Asylbewerber heutzutage "von den ärmsten bzw. von den Entwicklungsländern aufgenommen".

Scharfe Kritik äußerte Turkson an der Höhe der weltweiten Militärausgaben, welche die geleistete Entwicklungshilfe bei weitem übersteigen würden: Viele entwickelte Ländern seien somit mitverantwortlich für die Konflikte und Kriege. Ein ehrlicher Blick zeige: "Man kann nicht Länder durch eine Invasion destabilisieren, den Waffenhandel fördern, Ungerechtigkeiten zulassen, ganze Bevölkerungen demütigen, im Handel ungerechte Regeln durchsetzen - und sich dann beschweren, dass es zu viele Asylbewerber und Einwanderer gibt", so der Kardinal.

Turkson beklagte auch den "Totentanz rund um die Atombombe" und sprach sich für eine breite Unterstützung des bereits von fast 200 Staaten unterzeichneten Atomwaffensperrvertrags aus. Es sei eine "schwerwiegende Anomalie", dass alle Massenvernichtungswaffen durch internationale Konventionen geächtet würden - mit Ausnahme von Atomwaffen.
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