Montag 24. Juli 2017
myKathpress LOGIN

Jesuit Spadaro kritisiert "Apokalyptik-Ökumene" im Umfeld Trumps

Papstvertrauter in "Civilta"-Artikel: Welt wird in nur Gutes und nur Böses eingeteilt - Präsidentschaftswahl wird als "spiritueller Krieg" und Trumps Aufstieg zum Präsidenten als "göttliche Wahl" gefeiert
17.07.2017, 12:44 Uhr Vatikan/USA/Politik/Ökumene/Konflikte/Kritik/Rechtskatholizismus/Spadaro/Bannon/Trump
Vatikanstadt-Washington, 17.07.2017 (KAP) Der Jesuit und Papstvertraute Antonio Spadaro hat vor der Verschmelzung des evangelikalen und katholischen Fundamentalismus mit der Politik gewarnt, indem eine "apokalyptische Geopolitik" geschaffen wird, wie sie von Trump-Berater Steve Bannon befürwortet wird. Spadaro, der in der Vergangenheit große Papstinterviews geführt hatte, äußerte sich in der neuesten Ausgabe der vatikannahen Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica". Art und Weise, wie einige amerikanische Evangelikale und ihre römisch-katholischen Unterstützer Religion und Politik mischten, sei ein Irrweg und eine Weltanschauung, die Teilung und Hass fördere, so der "Civilta"-Chefredakteur.

Es handle sich um eine "Ökumene des Konflikts", in der Gegner dämonisiert und eine "theokratische Staatsform" propagiert werde, so Spadaro. Er zielte dabei auf die konservative religiöse Unterstützung für Präsident Donald Trump und beschuldigte die Aktivisten, eine "fremdenfeindliche und islamophobe Vision zu verwirklichen, die Zäune errichtet und Säuberungen mittels Deportationen durchführt". Anlass dafür sind Trumps Einreiseverbote für sechs muslimische Länder und seine Ankündigung nach einem Mauerbau entlang der Grenze zu Mexiko.

Der Artikel "Evangelischer Fundamentalismus und katholischer Integralismus: Ein überraschender Ökumenismus" wurde von Spadaro und einem protestantischen Theologen - dem presbyterianischen Pfarrer Marcelo Figueroa aus Argentinien - in Ko-Autorenschaft geschrieben. Figueroa ist auch Redaktionsleiter der seit Jahresanfang bestehenden argentinischen Ausgabe der Vatikanzeitung "Osservatore Romano". Artikel in der "Civilta Cattolica" werden vom vatikanischen Staatssekretariat geprüft und genehmigt. Unter Franziskus, der ein Jesuit ist, ist die Publikation zu einem inoffiziellen Organ des Papsttums geworden.

"Apokalyptische Geopolitik"

Die politische Allianz zwischen Katholiken und amerikanischen Protestanten, die im Mittelpunkt des Artikels von Spadaro steht, entstand Ende des 20. Jahrhunderts. Antikatholische Vorurteile trennten einst die Mitglieder der beiden Traditionen, sowohl religiös als auch politisch. Aber in den 1980er- und 1990er-Jahren bauten einige konservative religiöse Führer eine Allianz, in gemeinsamer Sicht von Fragen wie Abtreibung und traditioneller Ehe.

Spadaro sagte, diese Beziehung mit dem Theologen Richard Neuhaus (1936-2009) als Initiator habe sich "allmählich radikalisiert". Man teile die Welt in nur Gutes und nur Böses ein und liefere eine theologische Rechtfertigung für eine Art von "apokalyptischer Geopolitik". Diese werde von solchen Figuren wie Steve Bannon, der katholisch ist, befürwortet wird.

Explizit kritisierte Spadaro die rechtskatholische amerikanische Plattform ChurchMilitant.com. Das Medienoutlet habe die Präsidentschaftswahl als "spirituellen Krieg" und Trumps Aufstieg zur Präsidentschaft als "eine göttliche Wahl" gefeiert. Michael Voris, der die Plattform gründete, sagte demgegenüber in einem Interview, dass er "erschüttert" über die Vorwürfe in dem Artikel sei.

Spadaros Kritik ging implizit auch auf eine Gruppe katholischer Bischöfe Amerikas ein. Diese kämpften für religiöse Gewissensvorbehalte im Kontext der "Ehe für alle"-Gesetze und weiterer Bereiche, die die Morallehre berührten, aber würden dabei übers Ziel schießen, indem oft diejenigen, die gegensätzliche Ansichten vertreten, als Christenverfolger dämonisiert würden. Spadaro schrieb, dass die "Erosion der Religionsfreiheit eindeutig eine ernste Bedrohung ist". Aber es müsse davor gewarnt werden, "die Verteidigung der Religionsfreiheit in fundamentalistischen Begriffen aufzusetzen".

Erzbischof William Lori von Baltimore, der mit der Beobachtung und Verteidigung der Religionsfreiheit in der US-Bischofskonferenz betraut ist, reagierte am Wochenende in einem AP-Interview. Er stellte klar, dass der Artikel die US-Bischöfe nicht erwähne und sich nur auf "einen sehr engen Sektor innerhalb des Spektrums der ökumenischer Beziehungen" beziehe. Die amerikanische Bischöfe arbeiteten indessen an einer breiten Palette von Themen, die die katholische Soziallehre widerspiegelten und beförderten "keine andere Theologie", so Lori.
  • Foto
  • Audio
  • Video
  • "Ökologie nicht vom seelischen Zustand der Menschen trennbar"

    14.07.2017, 12:59 Uhr
    Orthodoxer Bischof Andrej Cilerdzic bei der Ökumenischen Sommerakademie in Kremsmünster

    Ökologie: "Kirche muss zu einem anderen Denken motivieren"

    14.07.2017, 12:57 Uhr
    Umweltbischof Alois Schwarz bei der Ökumenischen Sommerakademie in Kremsmünster

    Hofer: "Wir spüren eine gewisse Aufbruchsstimmung"

    10.07.2017, 11:10 Uhr
    Der neue Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer im "Kathpress"-Interview

    Hofer: "Will Papst um einen persönlichen Impuls bitten"

    10.07.2017, 11:09 Uhr
    Der neue Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer im "Kathpress"-Interview
Die neue Kathpress-APP ist da!

Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen Hier kostenlos die neue Kathpress-APP herunterladen

Jetzt kostenlos herunterladen!  » mehr Infos

Letzte Tweets

© 1947-2017 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
Darstellung:
http://www.kathpress.at/