Mittwoch 22. Februar 2017
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"Eine christlich geprägte Medienarbeit ist unbedingt erforderlich"

Grußwort von Bischof Dr. Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz


Exzellenzen, sehr geehrter Pater Lombardi, meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute hier in Rom mit Ihnen das 50-jährige Bestehen des "Centrum Informationis Catholicum" - kurz: CIC - zu feiern.

Die Gründungsväter der römischen Gemeinschaftsredaktion hätten es wohl nicht für möglich gehalten, dass sich dieses grenzüberschreitende Korrespondentenbüro von zunächst vier katholischen Nachrichtenagenturen zu einer festen Institution entwickeln würde. Ursprünglich war das gemeinsame Büro der deutschen KNA, der österreichischen Kathpress, der Schweizer KIPA und - zumindest in den Anfangsjahren - der niederländischen KNP für die Dauer des Zweiten Vatikanischen Konzils in Rom eingerichtet worden. Kurz vor der Eröffnung des Konzils nahm das Büro seine Tätigkeit auf.

Das Zweite Vatikanum, das zum wichtigsten kirchlichen Ereignis des 20. Jahrhunderts werden sollte, leitete umfangreiche Reformen der katholischen Kirche ein. Dazu zählen die Anerkennung der Religionsfreiheit, die Liturgiereform mit der Möglichkeit der Gottesdienste in der Muttersprache, ein stärkeres Miteinander der christlichen Konfessionen und der Dialog mit nichtchristlichen Religionen. Diese Umbrüche spiegeln sich wieder in dem Schlagwort des "Aggiornamento", also der Öffnung der Kirche hin zur Welt. Die Öffnung der Kirche zur Welt bleibt immer ein fortlaufender Auftrag. Und so ist es, zumindest im Rückblick, nicht verwunderlich, dass sich das CIC-Büro zu einer Dauereinrichtung etablieren konnte. Eine Verbindung, die seit ihrer Gründung die Aufgabe hat, aktuelle Ereignisse rund um den Heiligen Vater, die Kurienbehörden und die Weltkirche in die weltweite Öffentlichkeit zu vermitteln.

Verehrte Festgäste, es ist unbestritten: Kirchliches Handeln, das Wirken der Kirche vollzieht sich heute in einer Welt, die wesentlich geprägt ist und immer mehr geprägt wird von Öffentlichkeit, die von Informations- und Kommunikationsmedien lebt, ja von ihr hergestellt wird und auf kirchliches Handeln wieder zurückwirkt. Unser aller Handeln wird, in der heutigen digitalen Mediengesellschaft mehr denn je, öffentlich begleitet, bewertet, konstituiert rückwirkend mit gestaltet.

Es ist mir daher ein besonderes Anliegen, Kontakte zu konfessionellen und säkularen Medienvertretern zu pflegen. Denn sie sind es, die Öffentlichkeit über die unterschiedlichen Vertriebskanäle ermöglichen. Vor diesem Hintergrund schätze ich besonders auch unseren Austausch im Rahmen der Jahrestagungen der deutschsprachigen Medienarbeit am Vatikan zu dem wir uns wieder versammelt haben. Diesem Kreis gehören selbstverständlich auch die Journalisten des CIC an.

Wir Bischöfe in Österreich, der Schweiz und Deutschland sind dankbar für die überaus wertvolle Arbeit, die Sie im CIC leisten. Die Redaktionsarbeit hier in Rom ist wichtig, um kirchliche Themen aus dem Vatikan in den deutschsprachigen Medien zu platzieren. Dabei leistet das CIC weit mehr als nur die Verbreitung kirchenrelevanter Inhalte.

Die Korrespondenten im CIC haben eine entscheidende Rolle als Themensetzer. Ich bin fest überzeugt davon, dass manche wichtige Themen und Positionierungen und Informationen bei den deutschsprachigen Medien keine Aufmerksamkeit - oder eine andere - finden würden, wenn es dieses Redaktionsbüro nicht gäbe.

Dank der großen Expertisen und der guten Verbindungen in den Vatikan und in Rom genießt das CIC zu Recht im deutschsprachigen Raum als kirchennahe Nachrichten- und Informationsquelle ein großes Renommee in den konfessionellen und säkularen Redaktionen. Das liegt vor allem daran, dass die Redaktionsgemeinschaft in den vergangenen fünf Jahrzehnten stets ihrem Grundauftrag treu geblieben ist: Zuverlässig, hintergründig und kompetent das zu vermitteln, was sich hier am zentralen Sitz der römisch-katholischen Kirche ereignet. Verständlich und gut recherchiert das einzuordnen, was aus dem Vatikan zu Fragen von Glaube, Liturgie, Bildung, Kultur, Politik, Lebensschutz, Sozial- und Entwicklungspolitik, zu Menschenrechten oder zu den Themen Sexualität, Ehe und Familie verlautbart wird, das verlangt hohe Professionalität.

Die Stichworte deuten an, dass es hier oftmals um komplexe Themen und Entscheidungen geht, die - und das macht es wahrlich nicht einfacher - nicht nur eine Ortskirche betreffen, sondern immer auch unter der Perspektive der Weltkirche zu bewerten sind. Hierbei kommt in besonderer Weise die Fachkompetenz einer Spezialagentur zum Tragen. Die katholischen Nachrichtenagenturen im deutschsprachigen Raum liefern säkularen und konfessionellen Kunden Erklärtexte, Berichte und Hintergründe vom Heiligen Stuhl über ihr Gemeinschaftsbüro. Entscheidend ist dabei die faktenorientierte Einordnung von Ereignissen und Prozessen, auch jener, die für die katholische Kirche belastend, ja auch manchmal verstörend wirken.

Um es deutlich zu sagen: die unbestrittene fachliche Kompetenz des CIC resultiert aus einer konsequenten Orientierung an den journalistischen Grundsätzen der Objektivität und Aktualität, die im Geiste einer kritischen Loyalität die die großen Leistungen und Erfolge würdigt, aber auch Missstände und Konfliktfelder offen aufzeigt.

Bei den Kontroversen um die Pius-Bruderschaft, die Missbrauchsdebatte oder die sog. Vatileaks-Affaire, die die Menschen weltweit und im deutschsprachigen Raum oft über Monate in Atem hielt, haben wir in besonders drastischer Weise zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Grenzen zwischen faktenorientierter Berichterstattung und auflagen- bzw. quotenorientierter Skandalisierung in manchen Redaktionen überschritten wurden und wohl auch in Zukunft überschritten werden. In dieser für die katholische Kirche schwierigen Zeit hat sich das CIC in seiner konstruktiven und kritischen Berichterstattung wiederholt als ein "Kompetenz-Leuchtturm" erwiesen.

Die Beispiele belegen, was die wertvolle Arbeit des CIC seit fünfzig Jahren auszeichnet: es werden weder Missstände beschönigt, noch überzeichnet dargestellt; vielmehr werden die zum Einordnen und Verstehen erforderlichen Kenntnisse über Hintergründe, kirchliche Strukturen und Mentalitäten in die Berichterstattung eingebracht. Das CIC - und das gilt auch für die übrigen Dienste der katholischen Nachrichtenagenturen in Österreich, der Schweiz und Deutschland - veröffentlicht auch die Stellungnahmen und Hinweise von Experten, die gewiss bei skandalfixierten Medien keine Beachtung fänden. Das CIC leistet so einen hervorragenden und notwendigen Dienst - nicht zuletzt ihren unverzichtbaren Dienst an der Wahrheit.

Einer der Höhepunkte in der bisherigen Tätigkeit des CIC war vermutlich die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. am 11. Februar 2013. Die Meldung über das bisher einmalige Ereignis verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Im deutschsprachigen Raum - wie auch weltweit - unterbrachen die Sender umgehend ihr Programm für Sondersendungen. Für die deutschsprachige Berichterstattung nutzten sie vor allem auch die Informationen, die aus dem CIC umgehend und zuverlässig geliefert wurden. Gerne nehme ich diese Feierstunde zum Anlass, um Ihnen für Ihre schnellen und kenntnisreichen Berichte an diesem historischen Tag zu danken. Das gilt ebenso für die aufwendige Berichterstattung in der Sedisvakanz und während des Konklaves.

Auch künftig, unter Papst Franziskus, wird viel Bedeutsames, Interessantes, Wirkmächtiges und Überraschendes aus dem Vatikan zu berichten sein. Für das Gemeinschaftsbüro wird es also auch nach 50 Jahren Auftrag bleiben, über den Heiligen Vater, die Kurie und kirchenpolitische Diskussionen professionell zu informieren. Meine Hoffnung ist, dass Ihre Berichterstattung auch weiterhin getragen sein wird von einer Grundhaltung der Liebe zu Christus und seiner Kirche, von der Liebe zur Wahrheit und der journalistischen Professionalität und einem entsprechenden journalistischen Ethos. Denn das, verehrte Gäste, entspricht dem Leitbild unserer kirchlichen Medieneinrichtungen. Es ist das Spezifikum christlich geprägter Medienarbeit.

Eine solche christlich geprägte Medienarbeit ist unbedingt erforderlich. Denn, meine Damen und Herren, wir leben und wirken in der Welt von heute, wir dürfen uns nicht abgrenzen, sondern müssen uns noch stärker als bisher nach außen vernetzen, um die Menschen zu erreichen. Dafür benötigen wir einen öffentlichen Zugang zu den Menschen. Dafür brauchen wir für den deutschsprachigen Raum das CIC, das verlässlich einen wichtigen Dienst für die säkularen und konfessionellen Medien anbietet, und dass das Wirken unserer Kirche kompetent, kritisch-konstruktiv und fair begleitet. Der deutschsprachige Raum ist ja von besonderer Aufmerksamkeit und Sensibilität für das Zentrum der katholischen Weltkirche geprägt. Diese Gemeinschaftseinrichtung von drei katholischen Nachrichtenagenturen ist - davon bin ich überzeugt - auch für andere Sprachräume ein nachahmenswürdiges Modell.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Ich wünsche Ihnen vom CIC Gottes reichen Segen für Ihren wichtigen Auftrag hier in Rom! Und ich wünsche uns allen, dass es gelingt, immer die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen vorhalten zu können, dass der Segen Gottes sich auswirken kann!

In diesem Sinne: Ad multos annos!

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