Samstag 29. April 2017
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Die Bedeutung katholischer Nachrichtenagenturen für die säkularen Medien

Grußwort von Wolfgang Büchner, Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur dpa


Exzellenzen, Monsignori, sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zu diesem Festakt. Sehr gerne habe ich der Bitte entsprochen, zum 50jährigen Bestehen des CIC, des Centrum Informationis Catholicum, eine Rede zu halten.

Herr Ring-Eifel, Chefredakteur der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA, sagte bei unserem ersten Gespräch darüber: es würde uns freuen, wenn der Chefredakteur unserer großen Schwester dpa bei dieser Veranstaltung sprechen würde.

Das Bild von der großen Schwester finde ich sehr schön und sehr passend. Denn tatsächlich sind die Nachrichtenagenturen so etwas wie eine große, die Welt umspannende Familie. Eine recht vielfältige Familie mit sehr unterschiedlichen Mitgliedern. Es gibt ältere und jüngere, größere und kleinere, stärkere und schwächere Agenturen.

Doch auch wenn die Nachrichtenagenturen sehr unterschiedlich arbeiten, sehr unterschiedliche Freiheiten genießen und sehr unterschiedliche Informationsbedürfnisse befriedigen. Gemeinsam ist ihnen allen der Daseinszweck: Das Sammeln, Verarbeiten und Verbreiten von Nachrichten.

Die konfessionellen Nachrichtenagenturen - in Deutschland der epd und die KNA sind ein wichtiger Bestandteil dieser Familie. Denn sie ergänzen die Themenpalette großer Nachrichtenagenturen wie AP, Reuters, afp oder dpa mit ihren Schwerpunkten auf kirchlichen und sozialen Themen. Ihre Dienste sind im besten Sinne des Wortes komplementär zu den Angeboten der anderen Agenturen.

Das "Centrum Informationis Catholicum", das CIC ist wiederum ein ganz besonderes Familienmitglied. Seine Eltern sind die schweizer Kipa, die österreichische Kathpress und eben die deutsche KNA.

1963 war das CIC voll funktionsfähig - und deshalb haben wir uns heute hier in Rom versammelt. Schon ein Jahr zuvor, 1962 übermittelte das im Aufbau befindliche CIC seine ersten Meldungen.

1962 ist - wie Sie alle wissen - ein besonderes Jahr. Es markiert den Beginn des Zweiten Vatikanums. Und es ist kein Zufall, dass das CIC in diesem Jahr aus der Taufe gehoben wurde.

Es war diese Atmosphäre der Öffnung, diese heute von manchem sehnsüchtig vermissten Hinwendung der Kirche zur Welt, diese Lust am Mitmischen und Einmischen, die dazu führte, dass das CIC 1962 gegründet wurde.

Die Mission des CIC war und ist es, die katholische Öffentlichkeit über die Ereignisse in Rom objektiv zu informieren und nicht nur offizielle Mitteilungen des Vatikan zu verlautbaren.

Die Öffentlichkeit zu informieren - objektiv zu informieren. Das sagt sich so leicht. Doch es handelt sich dabei um eine große, wichtige und sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Ganz besonders anspruchsvoll, aber eben auch ganz besonders wichtig ist es, das Nachrichtenagenturen diese Aufgabe - eine möglichst objektive Berichterstattung - auch dann erfüllen, wenn sie über ihre eigenen Eigentümer schreiben.

Was wenige wissen: in den meisten Ländern sind die großen nationalen Nachrichtenagenturen in staatlichem Besitz oder maßgeblich von staatlichen Subventionen abhängig. Die Deutsche Presse-Agentur ist eine von weltweit weniger als zwei Dutzend Nachrichtenagenturen die vom Staat völlig unabhängig agieren.

Doch auch die dpa hat Eigentümer. Sie gehört 190 deutschen Medienunternehmen. Und natürlich sind diese Eigentümer ganz besonders empfindlich, wenn die dpa kritisch über sie berichtet. Doch daran führt kein Weg vorbei: Nur wenn wir bei der Berichterstattung über unsere Eigentümer die gleichen journalistischen Kriterien anlegen, wie bei der Berichterstattung über andere Institutionen und Unternehmen, erfüllen wir unseren Auftrag einer umfassenden und objektiven Information der Öffentlichkeit.

Für die Katholische Nachrichten-Agentur gilt das Gleiche: Ihre Arbeit ist nur dann glaubwürdig wenn sie sich tagtäglich darum bemüht, objektiv zu berichten - über politische und gesellschaftliche Entwicklungen aber eben auch über ihren Eigentümer, die Katholische Kirche und deren Würdenträger.

Auch wenn das für die Betroffenen manchmal unangenehm, manchmal sogar schmerzlich ist: KNA, Kathpress und Kipa müssen auch über die Kirche objektiv berichten.

Würden sich katholische Medien darauf beschränken, einfach die Verlautbarungen der Kurie und der Bistümer zu transportieren, wären sie schlicht überflüssig. Denn Pressestellen habe diese Institutionen reichlich.

Da ich selbst einmal, als Schüler für eine Kirchenzeitung geschrieben habe, nämlich für den in Speyer erscheinenden "Pilger", da ich meine journalistische Grundausbildung an der Journalistenschule der katholischen Kirche, dem "Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses" absolviert habe, ist mir dieses Spannungsverhältnis aus Verlautbarung und objektiver Information wohl bekannt.

Pater Dr. Wolfgang Seibel SJ, der das ifp im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz aufbaute, hatte hier immer eine sehr klare Position: Das ifp bildet keine Pressesprecher aus, sondern Journalisten. Und diese Journalisten sollten in aller erster Linie ihr Handwerk besonders gut beherrschen. Sie müssen in aller erster Linie akkurat arbeiten.

Leider kommt es immer wieder vor, dass Bischöfe in ihren Kirchenzeitungen nichts anderes sehen, als ihr persönliches Sprachrohr.

Ich möchte diese Feierstunde auch zu einem Appell nutzen: Natürlich sind katholische Medien in einer besonderen Weise Werte-gebunden. Doch geben Sie den Journalisten, die bei den Kirchenzeitungen, bei KNA, Kathpress und Kipa - oder hier im CIC arbeiten größtmögliche Freiheiten. Auch die Freiheit, in kirchlichen Medien Probleme zu benennen und Missstände anzusprechen.

Denn nur dann ist das Ergebnis ihrer Arbeit glaubwürdig. Und nur dann hat die katholische Publizistik eine öffentliche Wirkung, die weiter reicht als der Schatten eines Kirchturms.

Die Leserinnen und Leser haben ein feines Sensorium dafür, wie unabhängig Medien berichten. Und sie misstrauen - meines Erachtens völlig zurecht - einseitig interessensgeleiteten Publikationen.

Ich persönlich wundere mich manchmal über das misstrauen der Kirche gegenüber Medien, insbesondere gegenüber katholischen Medien Denn: welche Institution hätte mehr Anlass, der Strahlkraft ihrer eigenen Botschaften zu vertrauen, als die katholische Kirche?

Wie gut und wichtig die Arbeit der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen und des CIC ist, zeigte sich gerade kürzlich - als am Abend des 13. März aus der Sixtina weißer Rauch aufstieg und Kardinal Bergoglio zur großen Überraschung vieler Vatikan-Experten als neuer Papst vorgestellt wurde.

Schon wenige Minuten nachdem bekanntgegeben wurde, dass Bergoglio sich den Namen Franziskus geben würde, half KNA bei der Einordnung: Während viele nicht-kirchliche Medien nur einen vagen Hinweis auf den Namenspatron Franz von Assisi lieferten, sendete KNA bereits um 20:36 Uhr einen Hintergrund zum Heiligen Franziskus.

Und wer diesen Hintergrund aufmerksam las, konnte lernen, dass die programmatische Namenswahl "Franziskus" noch viel mehr verhieß, als eine Hinwendung zu den Armen und Ausgestoßenen der Gesellschaft. Im Vierten Absatz heißt es da: "Franziskus selbst ging 1219, mitten in der Zeit der Kreuzzüge, zu den Sarazenen (Muslimen). Er schloss Freundschaft mit dem Sultan und setzte sich so für eine friedliche Lösung des Konfliktes zwischen den verfeindeten Religionen ein" Ein paar Minuten also, nachdem die Eilmeldungen über die Ticker gelaufen waren, half KNA bereits, zu verstehen, was von diesem neuen Mann auf dem Stuhl Petri zu erwarten ist - eine Hinwendung auch zu gläubigen Muslimen.

Und tatsächlich dauerte es nur wenige Tage, bis der neue Papst öffentlich einen intensiveren Dialog mit dem Islam forderte. Bereits am 20. März diesen Jahres verbreiteten die Agenturen Meldungen mit der Überschrift: "Franziskus will auf Islam zugehen" (http://www.dw.de/franziskus-will-auf-islam-zugehen/ a-16692974). In diesen Meldung wird der Papst mit den Worten zitiert: "Wer den anderen ignoriert, kann keine "wahre Verbindung zu Gott haben", sagte Franziskus beim Empfang des diplomatischen Korps im Vatikan. Deshalb sei ein intensiverer Dialog zwischen den verschiedenen Religionen wichtig. "Ich denke dabei besonders an den Islam", fügte er hinzu.(...)" Das ist nur eines von vielen Beispielen, das zeigt: Deutschsprachige Medien, die ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer fundiert und umfassend über Fragen des Glauben, über die Katholische Kirche informieren wollen, kommen an KNA, Kathpress und Kipa kaum vorbei.

Doch es ist nicht alleine diese besondere Expertise, es sind nicht nur die exzellenten Kontakte hier in Rom die das CIC wertvoll macht.

Der Arbeit von Nachrichtenagenturen bekommt gerade im Zeitalter der digitalen Transformation eine ganz besondere Bedeutung zu.

Angesichts der immer größeren Flut von Informationen, Gerüchten und Spekulationen die sich sekundenschnell im Internet, insbesondere in den sogenannten sozialen Netzwerken verbreiten, kommt es mehr denn je darauf an, dass professionelle Journalisten dem interessierten Publikum dabei helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Den klassischen Medien, also auch dem CIC kommt dabei eine neue Aufgabe zu. Anders als früher sind sie heute nicht mehr die Schleusenwärter der Informationsgesellschaft. Wir sind eher Lotsen im reißenden Strom der Nachrichten, oder die Scouts im Informationsdickicht. Professioneller Journalismus wird also keineswegs überflüssig, wie manche glauben. Es ist wichtiger denn je. Wir müssen allerdings unseren Habitus, unser Dienstleistungsverständis überdenken.

All das gilt natürlich auch für Nachrichtenagenturen. Auch für konfessionelle Nachrichtengenturen wie KNA, Kathpress und Kipa: Gäbe es sie noch nicht - es wäre höchste Zeit, sie zu erfinden.

In diesem Sinne gratuliere ich dem CIC zu seinem 50jährigen Bestehen. Ich wünsche Ihnen für die kommenden Jahrzehnte viel Erfolg, viele interessante und aufsehenerregende Geschichten aus Rom. Vor allem aber wünsche ich Ihnen großzügige und gelassene Eigentümer, die Ihnen vertrauen und die wissen, wie wichtig erstklassiger, unabhängiger und dadurch glaubwürdiger Journalismus ist.

Vielen Dank

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