Papst berät erstmals mit Kardinälen über Kurs der Weltkirche
07.01.202608:42
(zuletzt bearbeitet am 07.01.2026 um 11:45 Uhr)
Vatikan/Papst/Kirche/Kardinalsversammlung
Außerordentliches Konsistorium im Vatikan am Mittwoch und Donnerstag
Vatikanstadt, 07.01.2026 (KAP) Erstmals berät Papst Leo XIV. mit den Kardinälen über die Zukunft der katholischen Kirche. Das Gipfeltreffen, zu dem alle 245 Purpurträger der Welt eingeladen sind, beginnt am Mittwochnachmittag im Vatikan. Bis Donnerstagabend soll sich das wichtigste Beratergremium des Papstes mit innerkirchlich entscheidenden Fragen befassen. Ein solches außerordentliches Konsistorium wird äußerst selten einberufen.
Unmittelbar nach Abschluss des "Heiligen Jahres" möchte der Papst wichtige Zukunftsfragen behandeln. Mögliche Themen der Versammlung in der vatikanischen Synodenaula sind das Mitspracherecht aller Katholiken in der Kirche sowie Formen der Verkündigung der christlichen Botschaft in der heutigen Zeit. Eine Rolle spielen könnten auch die Beziehung zwischen der römischen Hauptverwaltung und den lokalen Kirchen sowie der jahrzehntealte Streit über die Form der katholischen Messfeier.
Zeitplan und Programmpunkte
Zu Beginn der Beratungen am Mittwochnachmittag um 16.15 Uhr sollen die Kardinäle selbst über die beiden Themen abstimmen, die aus ihrer Sicht am dringlichsten diskutiert werden müssen. Die zwei weiteren von Leo XIV. vorgeschlagenen Punkte sollen an einem anderen Datum behandelt werden.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen Papst und Kardinäle in zwei weiteren Sitzungen am Donnerstag: ab 9.30 Uhr am Vormittag und ab 15.15 Uhr am Nachmittag. Zuvor werden sie am Donnerstag um 7.30 Uhr eine Messe im Petersdom feiern, die von den Vatikan-Medien übertragen wird. Nach Ende der Beratungen sollen am Donnerstagabend ausgewählte Kardinäle die Presse über den Verlauf und mögliche Ergebnisse der Gespräche informieren.
Eine Liste der definitiven Teilnehmer am Konsistorium hat der Vatikan bislang nicht veröffentlicht. Aus gesundheitlichen wie auch aus politischen Gründen kann nicht jeder der 245 Kardinäle aus den insgesamt 107 Ländern anreisen. Allein 123 Männer haben das Alter von 80 Jahren überschritten (und sind damit auch keine aktiven Papstwähler mehr). Aus Österreich hätte Kardinal Christoph Schönborn (80) die Möglichkeit zur Teilnahme an der Kardinalsversammlung; der emeritierte Wiener Erzbischof ist aber wegen einer hartnäckigen Erkältung nicht nach Rom gereist, wie es aus der Erzdiözese Wien heißt.
Seltenes Ereignis
Zu einem außerordentlichen Konsistorium beruft der Papst alle Kardinäle weltweit nach Rom, um besondere Erfordernisse für die katholische Kirche zu besprechen. Diese Beratungsrunden sind äußerst selten: Leos Vorgänger Franziskus berief nur einmal eine solche Versammlung ein. Im Februar 2014, also ähnlich wie bei Leo XIV. ein knappes Jahr nach Amtsantritt. Damals beriet er mit den Kardinälen über die Themen Ehe und Familie. Ein ähnliches Gipfeltreffen, das aber offiziell nicht als außerordentliches Konsistorium einberufen wurde, diente im August 2022 der Vorstellung der neuen Kurienverfassung.
Wesentlich häufiger berufen die Päpste ordentliche Konsistorien ein. Dazu kommen hauptsächlich die in Rom ansässigen Kardinäle zusammen, um die Durchführung gewisser feierlicher Akte zu genehmigen. Dazu zählen etwa Selig- und Heiligsprechungen. Auch die Erhebung neuer Kardinäle findet im Rahmen von ordentlichen Konsistorien statt.
Außergewöhnliches Gipfeltreffen im Vatikan am Mittwoch und Donnerstag in neuer Form - Hintergrundbericht von Kathpress-Rom-Korrespondentin Severina Bartonitschek