Künstlerisches Gedenken im Haus der Geschichte Österreich an in Ordenseinrichtung betreute Menschen mit Behinderung, die 1940 in Hartheim ermordet wurden
Wien, 26.01.2026 (KAP) Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner lädt das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in der Wiener Hofburg bei freiem Eintritt zu einer vertieften Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen und deren Nachgeschichte ein. Neben Kurzführungen durch die Hauptausstellung steht im Museumsfoyer eine künstlerische Installation im Mittelpunkt, die seit Dezember zu sehen ist und noch bis Anfang Mai läuft.
Die Installation mit dem Titel "Eingestickt. Zur Erinnerung an 67 Menschen, die 1940 in Hartheim ermordet wurden" widmet sich ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern des St. Josef-Instituts in Mils (Tirol). Sie waren Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen, die im Dezember 1940 im Rahmen der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Aktion aus der Einrichtung abtransportiert und in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet wurden. Bestickte Fotografien geben den Opfern Namen und Gesichter zurück und machen individuelle Lebensgeschichten sichtbar, die lange aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden waren.
Das St. Josef-Institut bestand seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Ort der Betreuung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen und stand unter der Leitung der Barmherzigen Schwestern von Zams. Zeitgeschichtliche Forschungen zeigen, dass Pflege- und Heilanstalten im Reichsgau Tirol-Vorarlberg ab 1939 verpflichtet wurden, detaillierte Meldebögen über ihre Pfleglinge an zentrale nationalsozialistische Stellen zu übermitteln. Die späteren Transporte wurden als "Verlegungen" deklariert; Angehörige erhielten nach dem Tod standardisierte Benachrichtigungen mit falschen Todesursachen.
Quellen aus der Nachkriegszeit belegen, dass Mitarbeiterinnen der Einrichtungen, darunter auch Ordensschwestern, sowie einzelne Ärzte den Abtransport der ihnen anvertrauten Menschen mit Sorge und Skepsis begleiteten. In einzelnen Fällen kam es zu Interventionen, die zumindest einen Teil der Betroffenen vorübergehend vor der Deportation bewahrten. Der Großteil der Angeforderten wurde jedoch abtransportiert; viele von ihnen starben in Hartheim durch Giftgas.