Belgrader Erzbischof Nemet: Gott ist weitaus barmherziger als die Grenzpolizei - Appell zur Achtung der Würde aller Menschen
Belgrad, 28.01.2026 (KAP) In der serbischen Grenzstadt Loznica hat Belgrads Erzbischof Ladislav Nemet am Dienstag 28 Grabsteine und Grabstätten für ertrunkene Geflüchtete eingeweiht. Die Gedenkorte auf dem orthodoxen städtischen und dem islamischen Friedhof entstanden auf Initiative der zivilgesellschaftlichen Organisationen SOS Balkanroute, Djeluj.ba und Leavenoonebehind und wurden mit Spenden aus Österreich und Deutschland finanziert. Die Zeremonie war interreligiös angelegt, mit Beteiligung auch des Wiener "Pfarrnetzwerks Asyl".
Kardinal Nemet hob im Rahmen der Feier die Würde der Geflüchteten hervor und kritisierte die Praxis an den Grenzen: "Ob man sie legal oder illegal nennt, ändert nichts an der Würde der Menschen. Gott ist weitaus barmherziger als all unsere Gesetze, Vorschriften und die Grenzpolizei." Kriege, Gewalt und Klimaveränderungen führen zu Migration; wären die Verstorbenen an einem anderen Ort geboren worden, hätte sie sicherlich frei nach Europa kommen können. Neben dem serbischen Erzbischof stand auch der Belgrader Imam Tafa El Berisa der Feier vor.
Unter den am Friedhof bestatteten Toten war auch das neun Monate alte syrische Mädchen Lana Hilal, die im August 2024 gemeinsam mit ihren Eltern in der Drina ertrank. Ihr Tod stehe symbolisch "für die extreme Verletzlichkeit von Menschen auf der Flucht - und für ein System, das sie ohne Schutz zurücklässt", sagte Petar Rosandic von SOS Balkanroute. Auf dem islamischen Friedhof wurde zudem ein Brief von Lanas Onkel Muhammed Hilal verlesen: "Obwohl seit unserer Tragödie fast anderthalb Jahre vergangen sind, ist der Schmerz noch immer da, als wäre alles erst gestern geschehen."
Die Friedhöfe in Loznica sind Teil einer seit mehreren Jahren laufenden Gedenkarbeit. Nihad Suljic und SOS Balkanroute hatten bereits Friedhöfe in Bijeljina und Zvornik eingerichtet. Mittlerweile wurden 95 verwitterte Holzmarkierungen durch dauerhafte Grabsteine ersetzt, vier Friedhöfe gestaltet und drei Denkmäler in Slowenien, Serbien und Bosnien errichtet, um an die verstorbenen Geflüchteten auf der Balkanroute zu erinnern. Schätzungen zufolge gibt es allein an der Drina mehr als hundert Gräber, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Leichen nie geborgen wurden. Die Gedenkarbeit macht auch auf die anhaltende humanitäre Krise entlang der Balkanroute aufmerksam.