Krieg: Experte befürchtet Christen-Exodus aus dem Heiligen Land
25.03.202609:42
Israel/Palästina/Kirche/Krieg/Kopp
Nahost-Experte und Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Kopp, sieht im Domradio-Interview die Christen in der Region zwischen allen Fronten
Köln, 25.03.2026 (KAP) Matthias Kopp, Archäologe, Nahost-Experte und Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, befürchtet angesichts des aktuellen Kriegs im Nahen Osten eine beschleunigte Abwanderung der Christen aus dem Heiligen Land. Die noch verbliebenen Christen würden zwischen alle Fronten geraten, warnte Kopp im Interview mit dem Kölner Domradio: "Die Gefahr eines weiteren, schleichenden oder sogar eklatanten Christen-Exodus ist gegeben. Was ich gut verstehen kann, denn wenn ich in dieser Gefahrensituation bin und abhauen könnte, würde ich es wahrscheinlich tun."
Umso größer sei sein Respekt für jene Christinnen und Christen, die im Land bleiben. "Sie hoffen, dass sie am Aufbau der Zivilgesellschaft in Israel, Palästina, Syrien, Jordanien und im Libanon mitwirken können. Trotzdem ist die Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten, größer denn je."
Die gegenwärtige Situation sei noch belastender als früher, "weil durch die verschiedenen Luftangriffe - ob Richtung Nordisrael oder in Zentralisrael, Jerusalem, Tel Aviv und dem Iran - die Leute oftmals in Schutzräumen sein müssen". Das sei anders als im normalen Alltag, in dem es vielleicht eine gewisse Unsicherheit gebe, aber man sich nicht in Schutzbunkern aufhalten müsse, Nachsatz: "Das ist sehr belastend für die Menschen vor Ort. Die Trümmerteile in Jerusalem sind ein Beispiel."
Gefahr auch für die christlichen Stätten
Dass nun auch Raketenteile auf die Jerusalemer Altstatt mit ihren vielen religiösen Stätten fallen, seien keine gezielten Angriffe, so Kopp. Er sprach von Kollateralschäden. "Blindgänger gibt es aber immer und deswegen bleibt diese Unsicherheit." Die gezielten Angriffe würden sich auf den Norden Israels beziehungsweise auf den Großraum Tel Aviv richten, um den Staat Israel zu schwächen. Die Gefahr für die christlichen Stätten in Nordisrael sei jedenfalls weit größer als in Jerusalem: "Egal ob wir an Tabgha denken, Nazareth oder viele andere christliche Stätten in Nordisrael - die Gefahr ist groß."
Mitte Jänner sei er noch mit einer internationalen Bischofsdelegation in Israel gewesen, erinnerte Kopp: "Damals wirkte es so, als würde der Pilger-Tourismus nach dem Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel wieder anfangen können. Nur zwei Wochen später ist das Gegenteil der Fall. Wir sind wieder am Anfang, wir müssen den Frieden wieder neu aufbauen und bis das Pilgerwesen sich in Israel überhaupt reaktivieren kann, wird es Monate dauern." Und der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz fügte hinzu: "Wir können nur hoffen, dass bald ein Waffenstillstand eintritt, wie Papst Leo XIV. gefordert hat. Nur ein Waffenstillstand kann eine Grundsicherheit für die Bevölkerung ermöglichen."