Im Steuerparadies am Meer ist der Katholizismus Staatsreligion
Rom/Monaco, 26.03.2026 (KAP) Welches Kleid wird Fürstin Charlène tragen? Und wie steht es überhaupt um die Ehe zwischen der ehemaligen Olympia-Schwimmerin und Fürst Albert II.? Bedeutende Fragen rund um das Fürstentum Monaco, die den bunten Blättern traditionell Auflage bescheren. Am Samstag wird nun ein Gast ganz in Weiß erwartet: Leo XIV. besucht den zweitkleinsten Staat der Welt, als erster Papst seit fast 500 Jahren. Und das wohl nicht nur, weil in Monaco der Katholizismus Staatsreligion ist.
Die Ankündigung, dass Leo die zweite Auslandsreise seiner am 8. Mai 2025 begonnenen Amtszeit an die französische Riviera unternimmt, überraschte sogar Fürst Albert II. selbst, wie er dieser Tage im Interview des "Corriere della Sera" gestand. "Ich hätte nie gedacht, dass er sofort die Einladung annehmen würde, die ich ihm im Jänner bei einem Besuch im Vatikan gemacht habe. Ein unerwarteter Segen!", so der seit 2005 amtierende Regent.
Neun Stunden eng getaktetes Programm
So wird Leo XIV. am Tag vor Palmsonntag nach zweistündigem Helikopterflug um 9 Uhr in Monaco erwartet. Nach der Begrüßung im Fürstenpalast will er dort ein Grußwort sprechen. Anschließend stehen Treffen mit der katholischen Gemeinschaft in der Kathedrale sowie mit Jugendlichen auf dem Programm, jeweils mit Predigt bzw. Rede des Papstes. Um 15.30 Uhr hält er eine Messe samt Predigt im Fußballstadion des AS Monaco. Nach der offiziellen Verabschiedung besteigt Leo XIV. wieder den Hubschrauber, um gegen 19.45 Uhr im Vatikan zu sein.
Den letzten Papstbesuch erhielt Monaco 1538 durch Paul III., der auf dem Rückweg von den spanisch-französischen Friedensverhandlungen in Nizza Station im Fürstentum machte. Der Grund, warum Päpste Monaco lange links liegen ließen, dürfte auch in seiner geringen Einwohnerzahl von nur rund 38.000 auf gerade einmal zwei Quadratkilometern liegen. Die Erzdiözese Monaco ist flächenmäßig eine der kleineren Diözesen der Welt mit etwa 29.000 Katholiken. Hinzu kommt neuerdings der zweifelhafte Ruf des Fürstentums als Glücksspielparadies, Steueroase und Spielplatz für Reiche. Geschätzt jeder dritte Monegasse ist Millionär.
Versteckte Armut
Doch der Erzbischof von Monaco, Dominique-Marie David, mühte sich zuletzt, das Image des Fürstentums zurechtzurücken: Es gebe in Monaco viel versteckte Armut, nicht nur materieller Art, sondern auch in Form von Einsamkeit, Sinnkrisen und Überforderung, sagte er im Interview mit Vatikan-Medien. Zugleich sei die Vielfalt der Gesellschaft ein großer Schatz: In Monaco lebten und arbeiteten Menschen aus rund 150 Staaten, betonte der seit 2020 amtierende Erzbischof. Damit werde Leo XIV. bei seinem Besuch praktisch die ganze Welt erreichen können.
Fürst Albert hofft darauf, dass der Papst in seiner Rede vom Balkon des Palastes eine Botschaft für Frieden und Wahrung der Schöpfung aussenden werde; ein Herzensanliegen des "Grünen Prinzen", der sich unter anderem mit einer eigenen Stiftung dem Thema Umwelt- und Klimaschutz widmet - einer der Berührungspunkte zwischen dem 68-jährigen Fürsten und dem 70-jährigen Papst.
Zudem sind beide Oberhäupter von Ländern, in denen der Katholizismus Staatsreligion ist, und beide haben US-amerikanische Mütter. Der in Chicago als Robert Francis Prevost geborene Papst habe von der Schauspielerin Grace Kelly (1929-1982) und späteren Fürstin Gracia Patricia von Monaco gewusst, sagte Albert im Interview. Mehr noch: Verwandte des Fürsten hätten die Villanova Universität in Pennsylvania besucht, an der der heutige Papst 1977 seinen Abschluss in Mathematik und später Philosophie machte. Cousins reisten eigens aus den USA an, um den Papst wiederzusehen, berichtete der Fürst.
Veto gegen Abtreibungsgesetz
Zugleich legt Albert II. Wert darauf, dass der katholische Glaube nicht nur ein Lippenbekenntnis von Staats wegen sei. Wie alle der seit dem 13. Jahrhundert regierenden Grimaldis herrscht er laut dem Familienmotto "Deo Juvante" - "mit Gottes Hilfe". Das am längsten bestehende katholische Herrscherhaus Europas pflegt seither Beziehungen mit dem Papsttum. 1981 verzichtete Monaco auf sein Recht, den Bischof der Diözese zu bestimmen. Darauf erhob Johannes Paul II. den Bischofssitz von Monaco in den Rang eines Erzbischofssitzes.
Mit seiner Entscheidung, ein Gesetz zur Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur zwölften Woche zu blockieren, dürfte Albert II. das Wohlwollen des Papstes geweckt haben. "Es war mir wichtig, den Wert des Lebens zu respektieren", kommentierte Albert im Interview sein Veto vom November 2025. Doch sei ihm bewusst, wie sensibel das Thema sei.
Ein deutlich leichteres Gesprächsthema dürften die beiden in ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Sport haben: Leo XIV. spielt gerne an seinem freien Tag in Castel Gandolfo Tennis, liebt Fußball und Baseball. Albert II. ist ebenfalls Tennisfan und hat zudem fünfmal am Bobwettbewerb der Olympischen Winterspiele teilgenommen. Ob sie in Leos neun Stunden in Monaco zum sportlichen Fachsimpeln kommen werden, bleibt jedoch fraglich.
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