Leiter der Vatikan-Sternwarte beschreibt das Zusammenspiel von Glaube und Forschung
Vatikanstadt/Hamburg, 26.03.2026 (KAP/KNA) Der Leiter der Vatikanischen Sternwarte, Jesuitenpater Richard Anthony D'Souza, sieht zwischen Wissenschaft und Glauben keinen Gegensatz. "Die Theorie vom Urknall ist zutiefst katholisch!", sagte er im Interview für die Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag) unter Verweis auf den Priester Georges Lemaitre, der sie entwickelte. Die biblische Schöpfungsgeschichte versteht D'Souza dabei ausdrücklich nicht wörtlich. Vielmehr stehe sie "im absoluten Einklang" mit Urknall- und Evolutionstheorie.
Gott ist kein Lückenfüller
Zugleich zog der Astronom klare Grenzen: "Mein Gott ist kein Lückenfüller für alles Unerklärbare." Religion gebe Sinn und Hoffnung, ersetze aber keine naturwissenschaftlichen Erklärungen. D'Souza versteht Glaube und Forschung komplementär. Die Kirche habe ein langes Interesse an Astronomie, seine eigene Arbeit sei dabei auch Ausdruck von Glauben: Wer das Universum erforsche, "preist damit Gott", so der Priester.
Außerirdisches Leben wahrscheinlich
Offen zeigte sich der Jesuit bei der Frage nach außerirdischem Leben. Aufgrund der Größe des Universums hält er es für wahrscheinlich, "dass auch irgendwo anders Leben entstanden ist". In den kommenden Jahrzehnten rechnet er mit entsprechenden Belegen. Auch solche Wesen wären "Geschöpfe Gottes". Für die Kirche würden sich daraus jedoch neue theologische Fragen ergeben.