Bisheriger Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer leitet damit künftig die mitgliederstärkste deutsche Diözese
Vatikanstadt, 26.03.2026 (KAP) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer (64), wird neuer Bischof von Münster. Papst Leo XIV. ernannte den bisherigen Hildesheimer Bischof am Donnerstag zum Nachfolger des vor einem Jahr als Diözesanbischof der mitgliederstärksten katholischen Diözese in Deutschland emeritierten Felix Genn (76).
Wilmer steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze der katholischen Kirche in Deutschland: Die Bischöfe wählten ihn am 24. Februar zu ihrem Vorsitzenden. In Münster folgt er nun auf Felix Genn, der im März 2025 altersbedingt zurückgetreten war. Die Amtseinführung ist für den 28. Juni geplant.
In einer ersten, gut 15-minütigen Ansprache vor zahlreichen Gläubigen im voll besetzten St.-Paulus-Dom in Münster stellte Bischof Wilmer am Mittwoch die Kirche als "gemeinsamen Weg" dar. Die Haltung der Kirche heute müsse sein: aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen. Mit Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart sagte er: "Nicht alles wissen, nicht alles erklären können, aber unterwegs sein und darauf vertrauen." Der neue Bischof zeigte sich dankbar und bewegt. Zugleich betonte er seinen Respekt vor der Aufgabe: "Ich komme mit großem Respekt vor den Menschen, vor dem, was hier im Bistum Münster gewachsen ist."
Besonders deutlich äußerte sich Wilmer zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche. "Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut. Das alles darf es nie wieder geben", sagte er unter starkem Applaus der anwesenden Gläubigen. Er kündigte an: "Ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist."
Als Lehrer in der New Yorker Bronx
Wilmer trat mit 19 Jahren in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz.
2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte. Seit 2018 leitete der Ordensmann aus dem Emsland die Diözese Hildesheim.
Über Krisen und Reformen
Als Vorsitzender der Bischofskonferenz zeigte sich Wilmer zuletzt tief besorgt wegen des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran. Gesellschaftspolitisch rief er zum Schutz der Demokratie auf und warnte vor einer Wahl der AfD. Innerkirchlich sprach er sich für Reformen, jedoch gegen einen deutschen Sonderweg aus. Er machte sich zudem für den Fortbestand des Fonds Sexueller Missbrauch stark.
In der Diözese Münster steht Wilmer künftig an der Spitze von rund 1,59 Millionen Katholiken. Münster ist damit die mitgliederstärkste deutsche Diözese vor Köln (1,58 Mio.), Rottenburg-Stuttgart (1,53 Mio.), Freiburg (1,51 Mio.) und München-Freising (1,38 Mio.).
Wahl per Vertrag geregelt
Bei der Wahl des neuen Münsteraner Bischofs spielte das Domkapitel - ein kirchliches Gremium aus 16 Priestern - eine Schlüsselrolle. In Münster gilt nämlich das Preußenkonkordat, ein Vertrag zwischen dem Staat und dem Heiligen Stuhl in Rom.
Gemäß Konkordat schickte das Domkapitel eine Liste mit geeigneten Kandidaten an den Vatikan. Dorthin gingen weitere Vorschläge von Bischöfen. Unter Würdigung sämtlicher Einreichungen erstellte die Kirchenleitung in Rom schließlich eine Dreierliste, aus der das Münsteraner Domkapitel einen neuen Bischof wählte. Die eigentliche Ernennung erfolgte dann durch Papst Leo XIV.