Bischof Glettler: Ostern keine billige Vertröstung auf das Jenseits
05.04.202614:42
Österreich/Kirche/Ostern/Glaube/Glettler/Elbs
Innsbrucker Bischof im ORF-Interview: Aus dem Glauben an die Auferstehung heraus sich für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen - Bischof Elbs: "Ob ich einer Krise mit Verzweiflung begegne oder mit Hoffnung, verändert meinen Umgang damit"
Innsbruck/Feldkirch, 05.04.2026 (KAP) Österreichs Bischöfe waren rund um die Osterfeiertage begehrte Interviewpartner der heimischen Medien. So betonten beispielsweise der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler und der Feldkircher Bischof Benno Elbs das Hoffnungspotenzial von Ostern gegenüber dem ORF. Bischof Glettler sah im Interview mit dem ORF Tirol in den religiösen Feiertagen rund um die Auferstehung Jesu Christi ein "Fest der Hoffnung". Der Glaube daran sei aber keine billige Vertröstung auf das Jenseits. Der tiefe Glaube an das Osterfest und die Botschaft der Auferstehung Christi sei vielmehr die Aufforderung, sich hier und jetzt für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.
Glettler verwies im Gespräch mit dem ORF Tirol auf Papst Leo XIV. und rief ebenfalls dazu auf, abzurüsten - in Gedanken, Worten und Werken. "Papst Leo lädt unaufhörlich dazu ein, den entwaffnenden Frieden Jesu anzunehmen, sich zu entfeinden im Geist und im Herzen", so Glettler. Dieses Bitten um einen Waffenstillstand gelte für die ganze Welt. Es gehe um eine Verringerung der Gewalt und eine Rücknahme der militärischen Brutalität. "Weil das immer neue Gewalt wieder hervorruft."
Glettler fühlt sich den von Gewalt und Krieg betroffenen Menschen besonders verbunden, derzeit besonders jenen im Nahen Osten: "Bei diesem Ostern möchte ich jetzt vor allem auf Hunderttausende von Christen hinschauen, die in ihrer Existenz dort gefährdet sind und hineingerieben werden zwischen große Konflikte", so der Bischof. Diese Menschen, die auch von ihren Siedlungen vertrieben werden und mit viel Kraft Widerstand leisten, müsse man unterstützen.
Gewalt sei keinesfalls eine Lösung, betonte Glettler, der nach seiner Ernennung zum Bischof im Jahr 2017 seit fast zehn Jahren die Diözese Innsbruck leitet. Er versteht das Osterfest als Einladung, sich neu von Jesus und dessen Beispiel inspirieren zu lassen: "Wer den Weg Jesu mitgeht, also den Weg der Gewaltlosigkeit, des Zuhörens, der Achtsamkeit vor dem Nächsten, der Barmherzigkeit und der Versöhnungsbereitschaft, der trägt dazu bei, dass Ostern für sehr viele Menschen erfahrbar wird."
Insofern sei es mitten im Wirbel unserer Zeit ein Fest der großen Entlastung und des Trostes, sagte der Bischof. Der Glaube an das Osterfest sei deshalb eine Art "Aufstehhilfe". Es gelte, solidarisch zu denken und zu handeln und denen beizustehen, die auf Hilfe angewiesen sind.
Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht
Für den Feldkircher Bischof Benno Elbs steht Ostern trotz aller Krisen weiterhin für Zuversicht und für die Hoffnung, dass auch schwierige Zeiten überwunden werden können, wie er im Interview mit dem ORF-Vorarlberg sagte. Elbs: "Ostern ist ein Fest der Hoffnung - eine Quelle, die den Menschen auch in schwierigen Situationen trägt". Dabei dürfe Ostern nicht ohne den Karfreitag gesehen werden, so der Bischof. Leid und Krisen seien Teil des Lebens. "Gott geht alle Wege des Menschen mit. Auch die schwierigen." Gerade in Zeiten von Krieg und Unsicherheit brauche es diese "Seelenkräfte", wie es Elbs nennt. Er spricht von Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht.
Dass Hoffnung nichts an der Realität ändert, sieht der Bischof anders. Es mache einen entscheidenden Unterschied, mit welcher Haltung Menschen schwierigen Situationen begegnen. "Ob ich einer Krise mit Verzweiflung begegne oder mit Hoffnung, verändert meinen Umgang damit." Auch in der Psychologie werde davon gesprochen, dass Krisen Chancen für Neuanfänge sein können.
Ein zentrales Bild von Ostern sei der Stein vor dem Grab, der weggerollt wird. Probleme verschwinden dadurch nicht, erklärt der Bischof, "aber sie versperren nicht mehr den Weg". Auch im Alltag lasse sich diese Hoffnung erkennen - etwa im Frühling. "Aus scheinbar toten Ästen entsteht neues Leben."
Neben der persönlichen Hoffnung betonte der Bischof auch die Bedeutung von Zusammenhalt. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, solidarisch zu sein und einander zu unterstützen. "Wenn Menschen sich verbinden und gemeinsam Hoffnung leben, entsteht eine große Kraft", so Elbs.