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Historiker: Papst (2) - Leo XIV. ist "Papa Calmo"

08.05.2026 13:59
Österreich/Italien/Deutschland/Vatikan/Kirche/Religion/Papst
Graz/Bonn, 08.05.2026 (KAP) Als "Papa Calmo", Überwinder von Polarisierung sowie Stimme gegen Gewalt und politische Instrumentalisierung von Religion: Leo XIV. prägt laut Historikern und Theologen einen neuen Stil. Während der 2025 verstorbene Papst Franziskus "ein Eisbrecher" gewesen sei, versuche Leo "den von Franziskus angestoßenen Wandel in eine festes Regelwerk zu gießen", sagt dazu Vatikan-Experte Marco Politi in der "Kleinen Zeitung" (Ausgabe 8. Mai). Beide Päpste eine aber "die Vision von einer weltoffenen Kirche, die alle einschließt".

Der 267. Papst der Kirchengeschichte gelte als selbstbewusster, aber moderater Reformer, der innerkirchlich auf Kontinuität und Stabilisierung setzt aber zugleich Spannungen in der Weltpolitik - etwa durch deutliche Kritik an Donald Trumps Politik und Kriegen - nicht scheut, so Politis Analyse.

Während Leo XIV. außenpolitisch zunehmend als moralische Stimme gegen Gewalt und politische Instrumentalisierung von Religion wahrgenommen werde, bleibe aber sein innerkirchliches Profil noch im Aufbau. So bemüht er sich laut Politi zwar um Ausgleich zwischen Reformern und Traditionalisten, steht aber weiterhin vor ungelösten Großthemen wie Frauenordination, synodalem Prozess und Priestermangel.

Ernesti: Theologisches Outing überfällig

Kirchenhistoriker Jörg Ernesti äußerte sich am Donnerstag im "Deutsche Welle"-Interview überrascht darüber, wie bedächtig und reflektiert der Papst sein Amt angehe. In Italien werde er bereits als "Papa Calmo" bezeichnet, als der ruhige Papst. "Alles, was er von sich gibt, wirkt sehr durchdacht und schlüssig", sagte Ernesti laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA). Dem Papst sei es aus seiner Sicht ein Anliegen, den Konsens über die Erneuerung der Kirche auf möglichst breite Füße zu stellen und alle mitzunehmen.

Allerdings sei ein "theologisches Outing" in einer ersten großen Enzyklika überfällig: Päpste hätten in einer solchen Enzyklika "gewissermaßen ihr theologisches Programm formuliert", so der Kirchenhistoriker. Er erwartet eine baldige "theologische Gesamtschau": "Es wäre ungewöhnlich und eigentlich zu wenig, wenn sich Leo schwerpunktmäßig nur zu einer konkreten Frage, beispielsweise der Bedeutung von KI, äußern würde."

Bauer: Sanfter Löwe und besonnener Reformer

Der Münsteraner Theologe Christian Bauer bezeichnet Papst Leo als besonnenen Reformer, "der die Kunst subtiler, aber nachhaltiger Systemveränderung zu beherrschen scheint". Auch seine jüngsten Äußerungen zum umstrittenen Segen für gleichgeschlechtliche Paare seien diesbezüglich ein "Meisterwerk", schrieb Bauer im theologischen Portal "feinschwarz.net". Der Papst habe die "Interviewfalle eines Journalisten" umgangen und sich einer eindeutigen Verurteilung verweigert. Erst nach einer "relativierenden Redimensionierung des Problems" habe er die bekannte römische Position wiederholt. Zugleich habe er aber auch eine "Tür für morgen offen" gehalten.

Laut Auffassung des Professors für Pastoraltheologie und Homiletik sollte man Papst Leo wegen seiner offenkundigen Freundlichkeit nicht unterschätzen, denn er sei "nicht nur sanftmütig, sondern auch sanftmutig. Umsichtig, aber nicht feige." So sei Papst Leo ein "sanfter Löwe", der aber irgendwann seine Krallen ausfahren und über das Erbe seines Vorgängers hinausgehen müsse: "Für seine mutig nach Außen hin vertretenen Optionen von Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit muss er dann konsequenterweise auch im Innen der Kirche eintreten", so Bauer, der u.a. bereits Universität Innsbruck lehrte.
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