Tausende Israelis besuchen Josefsgrab im besetzten Westjordanland
13.05.202612:34
Israel/Palästina/Konflikte/Politik/Religion
Erstmals seit 25 Jahren erlaubte Israels Armee den Besuch des am Grab des biblischen Stammvaters auch tagsüber
Jerusalem, 13.05.2026 (KAP/KNA) Erstmals seit über 25 Jahren hat Israels Armee tagsüber jüdische Israelis das sogenannte Josefsgrab in der palästinensischen Stadt Nablus besuchen lassen. Unter den Besuchern am Mittwochmorgen waren auch der Finanzminister und Minister im Verteidigungsministerium, der rechtsradikale Bezalel Smotrich, sowie der Parlamentsabgeordnete der rechtsradikalen Partei "Religiöser Zionismus" Zvi Sukkot sowie Vertreter der Siedlerbewegung, wie örtliche Medien laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) berichteten.
Demnach handelte es sich um den ersten großangelegten Tagesbesuch an der als Grab des biblischen Stammvaters Josef verehrten Stätte seit der Zweiten Intifada (2000-2005). Teilnehmer seien rund 5.000 jüdische Israelis gewesen. Der Besuch erfolgte nach Genehmigung durch Verteidigungsminister Israel Katz.
Forderung permanenter jüdischer Präsenz
"Unsere Anwesenheit hier am Josefsgrab, am helllichten Tag, ist eine klare Botschaft: Das Volk Israel kehrt in alle Teile seines Landes zurück", sagte Smotrich laut Berichten während des Besuchs. Man arbeite an einer dauerhaften jüdischen Präsenz an der Stätte, die "ein lebendiges Zeugnis für die untrennbare Verbindung zwischen dem Volk Israel und seinem Land" sei.
Die Stätte liegt offiziell in den unter palästinensischer Kontrolle liegenden A-Gebieten des Westjordanlandes. Israels Armee koordiniert und sichert Besuche jüdischer Beter zu bestimmten Zeiten, wobei es häufig zu Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern kommt.
Militärpräsenz und Vandalismus
Laut palästinensischen Medien drang die israelische Armee in mehrere Viertel der palästinensischen Stadt ein und besetzte Dächer von Wohnhäusern für die Zeit des Besuchs; mehrere Kontrollpunkte rund um die Stadt seien gesperrt worden. Am Rande des Besuchs sollen Teilnehmer rassistische Graffiti an die Wand einer nahe gelegenen palästinensischen Schule angebracht haben.
Den Osloer Verträgen zufolge sollte das Grab als Enklave im palästinensischen Gebiet unter israelischer Verwaltung bleiben. Nach einem palästinensischen Angriff auf israelische Soldaten am Grab im Herbst 2000 gab Israels Armee das Monument auf.