Leo XIV. hielt abendliche Gebetsvigil mit rund 40.000 Menschen im Olympiastadion von Barcelona - Papst ruft zu sozialem Engagement auf, kritisiert Missbrauch und Femizide
Barcelona, 09.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat Jugendliche ermuntert, sich nicht von Depressionen, eigenem Versagen, Ängsten und Gefühlen der Sinnlosigkeit entmutigen zu lassen. Bei einer abendlichen Gebetsvigil mit rund 40.000 überwiegend jungen Teilnehmern im Olympiastadion von Barcelona sagte er am Dienstag: "Wir betteln um Liebe, hungern und dürsten nach Wahrheit, suchen einen Sinn, der uns Halt gibt, uns Mut macht und uns hilft, das Geheimnis unseres Lebens zu verstehen."
Angesichts eigener Unzulänglichkeiten und bei mangelndem Glauben sollten sie die Wirklichkeit um sich herum ohne Vorurteile wahrnehmen und fragen: "Zu welchen Änderungen sind wir aufgefordert, wo müssen wir uns selbst erneuern und welche Gesellschaft wollen wir aufbauen?"
Aufruf auch zu sozialem Engagement
Sie sollten nicht aufhören, zu suchen, zu fragen und miteinander zu sprechen, auch in der Dunkelheit scheinbarer Sinnlosigkeit. Weiter ermunterte der Papst die jungen Menschen, "die Wahrheit zu suchen, die uns zum Wohl aller führt, damit dieses Land gastfreundlich ist für alle, und ein Land, in dem jeder Mensch in seiner persönlichen Würde respektiert und für das geliebt wird, was er ist".
Zuvor hatten dem Papst drei junge Menschen in teils sehr emotionalen Worten von Depressionen, Trennungen und Gewalterfahrungen in Familien berichtet. In ausführlichen Antworten ging Leo XIV. auf ihre Fragen ein und ermutigte sie, nicht aufzugeben und auch für Verzeihung und Versöhnung offen zu sein.
Kritik an Missbrauch und Femiziden
Ausdrücklich kritisierte er Gewalt innerhalb von Familien. "Viele Polizeiberichte spiegeln auch heute noch ein vergiftetes Klima in familiären Beziehungen wider, das geprägt ist von Missbrauch und Unterdrückung, insbesondere von Gewalt gegen Frauen, die leider oft auch in Femiziden endet", so der Papst. Der Einzelne wie auch die Gesellschaft sei gefordert, diese "dramatische Realität" in all ihren Dimensionen anzugehen.
Man dürfe Gott nicht die eigene Verantwortung zuschreiben. "Wir dürfen uns nicht vorstellen, dass Gott von oben automatisch auf unsere Bedürfnisse reagiert oder auf wundersame Weise verhindert, dass das Böse geschieht", gab Leo XIV. zu bedenken. Gott habe den Menschen mit Verstand und Willen, einem Gewissen, mit Würde und Freiheit ausgestattet. Dies sollten sie nutzen, um in der Gesellschaft Gerechtigkeit, Frieden und Geschwisterlichkeit zu schaffen, appellierte der Papst.
Der lange Abend im Olympiastadion bildete den Abschluss der ersten Station des Papstbesuchs in Katalonien. Am Mittwoch stehen unter anderem ein Gefängnis-Besuch sowie die Segnung des höchsten Kirchturms der Basilika Sagrada Familia auf dem Reiseprogramm.