Papst: Kirche muss so werden wie die Botschaft, die sie verkündet
27.06.202622:54
(zuletzt bearbeitet am 27.06.2026 um 22:57 Uhr)
Vatikan/Papst/Christentum/Kirche/Krieg
Visionäre Rede von Leo XIV. am Ende des zweiten außerordentlichen Kardinalstreffens seiner Amtszeit - Den Kriegen "Kultur des Dialogs und der Gewaltfreiheit" entgegensetzen - Nächstes außerordentliches Konsistorium 2027
Vatikanstadt, 27.06.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat das zweite außerordentliche Konsistorium seiner Amtszeit mit hoffnungsvollen Visionen für die Zukunft der Kirche beendet. Vor mehr als 170 Kardinälen aus allen Erdteilen sagte der Papst am Samstagabend im Vatikan, angesichts von Kriegen und Konflikten könnten Christen dazu beitragen, die Spirale von Rache und Gewalt zu durchbrechen.
Krieg sei mehr als ein Konflikt zwischen Staaten, er entspringe einer Kultur der Macht. Dem müsse die Kirche eine Kultur des Dialogs und der Gewaltfreiheit entgegensetzen. Diese gelte es theologisch weiter zu vertiefen und zu entwickeln, sie entspreche dem Auftrag des Evangeliums. Die Kirche solle den gewaltsamen Konflikten nicht aus dem Weg gehen, dürfe aber die Logik der Gewalt nicht übernehmen. Gefragt sei eine "neue Kultur des Gemeinwohls".
Die Kirche müsse immer mehr so werden wie die Botschaft, die sie verkünde. Auf dieser Basis könnten notwendige kirchliche Strukturreformen Früchte tragen. In einer von Polarisierung gezeichneten Welt werde auch die Art und Weise, wie die Kirche ihre Dialoge führe, Teil ihrer Verkündigung.
Nach den Erfahrungen der letzten Beratungsrunden der Kardinäle werde der eigentliche Sinn der Konsistorien deutlicher. Sie seien "kein Parlament und kein Kongress, in dem Meinungen und Interessen sich durchsetzen", sondern eine Erfahrung der Einheit im Dienst des gemeinsamen Auftrags. Dieser Stil müsse für die ganze Kirche gelten.
2027 werde er ein weiteres außerordentliches Konsistorium einberufen, das Datum stehe aber noch nicht fest. Der Papst betonte, es gehe nicht darum, eine lange Reihe von kirchlichen Treffen zu veranstalten, sondern darum, als Kirche einen neuen Stil des Zuhörens und der Entscheidungsfindung zu lernen.
Bei Synodalität gehe es nicht um die Frage, wer die Macht zur Entscheidung habe, so der Papst, sondern darum, wie die Kirche ihren von Jesus gegebenen Auftrag erfülle. Die Kardinäle rief Leo XIV. auf, den Weg synodaler Beratung und Entscheidungsfindung mit Überzeugung zu begleiten. Die Kirche solle in einer Weise wachsen, die dem Evangelium entspreche.
Zuvor hatten die Kardinäle am Samstagnachmittag über das synodale Beratungsprinzip diskutiert, das seit einigen Jahren in der katholischen Kirche verstärkt propagiert wird. In der Debatte wurde auch die Frage nach dem Sinn des langen und breiten synodalen Prozesses in der katholischen Kirche gestellt, der seit Jahren andauert und von manchen als beschwerlich und umständlich empfunden wird.