Kirchensportler: WM-Motto "United As One" lebten Fans und Spieler
20.07.202611:23
Österreich/Kirche/Sport/Politik/Glaube/Gewinn
Diözesansportgemeinschaft Österreichs (DSGÖ) kritisiert Kommerzialisierung des Turniers, mangelnden Einsatz für den Frieden sowie politische Einflussnahmen auf den Fußball
St. Pölten, 20.07.2026 (KAP) Die Diözesansportgemeinschaft Österreichs (DSGÖ) hat nach der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA eine gemischte Bilanz gezogen. Die Kirchensportler gratulierten "dem würdigen Weltmeister" Spanien nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien am Sonntag zum Weltmeistertitel. Die WM sei völkerverbindend gewesen, von Ausschreitungen sei fast nichts bekannt, hieß es in einer Aussendung am Montag. Zugleich formuliert die DSGÖ Kritik an der Kommerzialisierung des Turniers, am mangelnden Einsatz für den Frieden sowie an politischen Einflussnahmen auf den Fußball. So sei das offizielle Turniermotto "United As One" nicht von den Funktionären erfüllt, sondern von den Menschen - Spielern und Fans - gelebt worden.
"Die Fußball-WM hat gezeigt, wie sehr sich im Sport vieles auf einzelne Personen konzentriert: Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre oder Präsidenten", äußerte sich Michael Semmelmeyer, Kapitän der österreichischen Priesterfußballnationalmannschaft. Ein "Desaster" nannte Sepp Eppensteiner, Vorsitzender der DSGÖ, etwa die Rücknahme einer Roten Karte für den US-Stürmer Folarin Balogun - laut Medienberichten nach einer Intervention von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino. Das habe den Fußball in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt, da die sportliche Neutralität den Fußball bislang als Wert an sich ausgezeichnet habe.
Zudem hätte die WM als völkerverbindendes Ereignis ein "Ausrufezeichen für den Frieden werden können, ja müssen", so Eppensteiner. Eine derart wichtige Veranstaltung hätte zum Appell führen müssen, die Kriege dieser Welt zu beenden. Davon sei kaum etwas zu hören gewesen, mit Ausnahme von Papst Leo XIV.
Kritik an Kommerzialisierung
In der Kritik stand auch die Kommerzialisierung des Sportevents. Dies zeige sich in den Trinkpausen, in denen Werbung geschaltet wurde. "Und diese Unterbrechungen sind offensichtlich gekommen, um zu bleiben", so Eppensteiner. Der Blick auf den Austragungsmodus der WM 2030 mache wenig Hoffnung auf echte Veränderung, sagte Semmelmeyer. Diese wird erstmals in der Geschichte in sechs Ländern auf drei Kontinenten ausgetragen und zwingt Mannschaften und Fans zu extremen Langstrecken-Flugreisen. Nach der Aufstockung auf 48 Teams erwägt die FIFA bereits eine weitere Erweiterung auf 64 Mannschaften.
Sport sei aus religiöser Sicht ein gutes Gut - solange er dem Menschen dient und nicht zum Selbstzweck oder "Ersatzgott" wird, so Eppensteiner. Auch das habe die WM mit den vielen "kleinen Gesten des Miteinanders" von Fans und Spielern gezeigt, die das Motto "United As One" glaubwürdig gemacht hätten. "Sie zeigten: Gemeinschaft ist stärker als Egoismus oder Gewinnoptimierung", sagte Semmelmeyer. "Teams kämpften miteinander, Spieler beteten gemeinsam, Millionen schauten Fußball in Gemeinschaft, damit niemand alleine bleibt." Am Ende habe eine Mannschaft überzeugt, deren Stärke nicht in einem Superstar lag. "Eine echte 'Star-Mannschaft' also: stark, weil jeder seine Aufgabe erfüllte und sich in den Dienst des Teams stellte."
Die DSGÖ hob auch das "Fair Play" bei der WM hervor: "Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Disziplin und Teamgeist stimmen mit vielen religiösen Ethiken überein." Besonders erfreulich sei gewesen, dass viele gläubige Sportler ihr Talent als Gabe Gottes verstehen und ihm dafür öffentlich danken - "auch wenn der Weltfußballverband FIFA das nicht gerne sieht", so Eppensteiner. Auch in Österreich habe es hervorragende Kombinationen von Fußball und Religion gegeben, bei denen der "aufgelegte pastorale Elfer" genutzt worden sei - etwa beim Public Viewing in einer Horner Kirche oder bei "Fußballgottesdiensten" in Opponitz, Krems und Graz.