Romaseelsorger der Diözese Eisenstadt, Platzer: Nur Erinnern an unangenehme Teile der Geschichte hilft, Achtsamkeit vor der Gegenwart zu haben - Parlamentsspitze anwesend
Wien, 31.07.2026 (KAP) Österreich erinnert am 2. August an die im Holocaust ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze. Das Parlament gedachte am Freitag anlässlich des Nationalen Holocaust-Gedenktags mit einer Kranzniederlegung im Weiheraum beim Äußeren Burgtor am Heldenplatz. Die Parlamentsspitze wurde von Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs, dem Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner und der Dritten Nationalratspräsidentin Doris Bures vertreten. Die Kranzniederlegung erfolgte mit dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirates der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath, und seinem Stellvertreter Andreas Sarközi. Auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl nahm an dem Gedenken teil.
Der 2. August erinnert an die Ermordung von rund 4.300 Roma und Sinti in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. 2015 erkannte das Europäische Parlament den Tag als Gedenktag für den Völkermord an Roma und Sinti während des Zweiten Weltkriegs an. In Österreich beschloss der Nationalrat im Jänner 2023 einstimmig, den 2. August als Nationalen Gedenktag für die im Holocaust verfolgten und ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze einzurichten.
"Die Täter, die für den Tod unzähliger Opfer in den Konzentrationslagern verantwortlich waren, konnten ihre eigene Unmenschlichkeit vor sich selbst nur rechtfertigen, indem sie zuvor die Opfer ihrer Menschlichkeit beraubten", betonte der geistliche Assistent der Romaseelsorge der Diözese Eisenstadt und Mitglied des Volksgruppenbeirates der Roma, Matthias Platzer, im Rahmen des Gedenkens. Und weiter: "So wurden aus Frauen und Männern 'Schädlinge am Volkskörper'. In den Konzentrationslagern wurden ihnen Nummern eintätowiert, um sie endgültig zu entmenschlichen."
Im Gespräch mit Kathpress betonte Platzer, nur das Erinnern an unangenehme Teile der Geschichte, in denen Menschenwürde nicht geachtet worden sei, helfe, auch die Achtsamkeit vor der Gegenwart zu bewahren. Als Gesellschaft seien wir dazu gerufen, zusammenzustehen, "wenn man bestimmte Gruppen als Feindbilder hinstellt". Das Anerkennen der Würde eines Menschen, egal, wo dieser herkomme, wie er aussehe oder welche Sprache er spreche, sei ein für ein friedliches Zusammenleben unabdingbares Grundprinzip.
Im Rahmen des Gedenkens las die Schauspielerin Mercedes Echerer aus der Lebensgeschichte von Walpurga Horvath, einer Überlebenden des Holocaust, vor. Veranstaltungen wie die Kranzniederlegung seien wichtig, weil sie ein Bekenntnis des öffentlichen Österreichs darstellten, betonte Echerer. Zugleich warne sie davor, dass das Erinnern dadurch als abgeschlossen betrachtet werde und der Eindruck entstehe, es gehe den Volksgruppen heute gut. "Man vergisst, wie lange es dauert, bis Wunden verheilen. Und was immer bleibt, sind Narben", so Echerer.
Holocaust-Gedenken im Stephansdom
Mit einem ökumenischen Wortgottesdienst im Wiener Stephansdom wird am Sonntag (2. August, 14.30 Uhr) den Opfern des nationalsozialistischen Völkermords an Roma, Sinti und Jenischen gedacht. Die Feier unter dem Motto "Erinnern, Würde bewahren, Gemeinsam Zukunft gestalten" wird von Weihbischof Franz Scharl, der evangelischen Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, Pastor Karl Schmidt von der Freien Christen Gemeinde Jeschua sowie dem orthodoxen Erzpriester Slavisa Bozic gemeinsam gestaltet. Im Mittelpunkt stehen das Gedenken an die Opfer des Holocaust sowie ein gemeinsames Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung.
30. Roma-Wallfahrt nach Mariazell
Ein wichtiger Ort der Erinnerung und des Glaubens ist für viele Roma die Basilika Mariazell. Am 9. August findet dort die bereits 30. Roma-Wallfahrt statt. Im August 1996 wurde der Bittgang zur Magna Mater Austriae - nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten - von den österreichischen Roma-Vereinen wieder ins Leben gerufen. Auch heuer kommen Roma, Sinti und Lovara aus Österreich und anderen europäischen Ländern wieder zusammen. Die Messe wird Weihbischof Franz Scharl feiern, der in der römisch-katholischen Kirche für die Seelsorge an Migranten, anderssprachigen Gemeinden sowie für die Volksgruppen der Roma, Sinti und Jenischen zuständig ist.
Wortgottesdienst am Europäischen Holocaust-Gedenktag - Kranzniederlegung im Parlament (31. Juli), Gedenken in Lackenbach (31. Juli) und 30. Roma-Wallfahrt nach Mariazell (9. August)