Bericht über öffentliche Aufrufe an christliche Minderheit, "zum Hinduismus zurückzukehren oder den Ort zu verlassen"
Neu-Delhi, 12.08.2026 (KAP) Im nordindischen Bundesstaat Bihar sind 42 christliche Familien öffentlich mit sozialem Boykott und Vertreibung bedroht worden. In der Ortschaft Gopalpur im Distrikt Bhagalpur forderten Hindu-Nationalisten die Christen am Wochenende über Lautsprecherdurchsagen auf, "zum Hinduismus zurückzukehren oder den Ort zu verlassen". Die Christen wurden dabei als "Verräter an der Gesellschaft" bezeichnet, berichtete das katholische Nachrichtenportal UCA News am Dienstag.
Die Durchsagen wurden über eine Lautsprecheranlage auf einem dreirädrigen Fahrzeug verbreitet, das durch das Dorf fuhr. Die Initiatoren behaupteten, das Christentum und Kirchen bedrohten das soziale Gefüge der Ortschaft. Die Dorfbewohner wurden aufgefordert, soziale Kontakte zu Christen abzubrechen. Zudem wurde argumentiert, wenn heute Kirchen zugelassen würden, könnten morgen Moscheen folgen.
Die christlichen Familien leben laut dem Bericht seit längerer Zeit mit Drohungen. Ein Bewohner sagte anonym, zuletzt würden öffentliche Durchsagen eingesetzt, um sie zum Verlassen ihres Glaubens zu bewegen. In Bihar stellen Christen mit rund 0,12 Prozent der mehr als 130 Millionen Einwohner eine sehr kleine Minderheit dar. Menschenrechtsgruppen zufolge würden Vorwürfe erzwungener oder betrügerischer Bekehrungen häufig gegen sie erhoben und dienten als Rechtfertigung für Schikanen, Störungen von Gebetstreffen und juristische Schritte.
Der Jesuit und Menschenrechtsaktivist Cedric Prakash bewertete den aktuellen Zwischenfall als Aufruf zur sozialen und wirtschaftlichen Ausgrenzung einer religiösen Gemeinschaft. Wenn Menschen aufgefordert würden, ihren Glauben aufzugeben oder ihre Heimat zu verlassen, werfe dies "ernste Fragen zur Religionsfreiheit und zum verfassungsrechtlichen Schutz" auf. Zitiert wurde in dem Bericht auch der Menschenrechtsaktivist Shibu Thomas, demzufolge öffentliche Aufrufe zur Ausgrenzung gesellschaftliche Spannungen verschärften und das verfassungsmäßige Recht untergrüben, den eigenen Glauben frei zu wählen und auszuüben.
Menschenrechtsorganisationen zufolge reiht sich der Vorfall in eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber religiösen Minderheiten in Indien ein. Nach Daten des India Hate Lab wurden 2025 insgesamt 1.318 Hassreden-Veranstaltungen gegen religiöse Minderheiten registriert, was 97 Prozent mehr als 2023 bedeutet. Rund 88 Prozent fanden in Bundesstaaten statt, die von der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP) oder ihren politischen Verbündeten regiert werden.