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Strafprozess: Viel Unterstützung für armenischen Katholikos Karekin

12.08.2026 11:17
Armenien/Türkei/Kirche/Konflikte/Justiz/Armenisch-apostolische.Kirche/Karekin.II
Patriarchat von Konstantinopel, Katholikos von Kilikien und weitere armenisch-apostolische Bischöfe erklären sich öffentlich solidarisch mit dem bedrängten armenischen Kirchenoberhaupt
Istanbul/Jerewan, 12.08.2026 (KAP) Das armenisch-apostolische Patriarchat von Konstantinopel hat sich der wachsenden Kritik am Strafprozess gegen den armenisch-apostolischen Katholikos Karekin II. und weiterer Bischöfe angeschlossen. Das Kirchenoberhaupt und die Bischöfe mussten am vergangenen Freitag in Armenien erstmals vor Gericht erscheinen. Ihnen wird vorgeworfen, gegen eine gerichtliche Anordnung zur Wiedereinsetzung eines von der Kirche abgesetzten Bischofs verstoßen zu haben. Es drohen Geldstrafen oder bis zu zwei Jahre Haft. Der Prozess geriet allerdings bereits zum Auftakt ins Stocken: Der Vorsitzende Richter erklärte sich für befangen. Ein neuer Richter wurde laut armenischen Medienberichten bereits berufen. Wann die Verhandlung fortgesetzt wird, ist aber noch unklar.

In seiner jüngsten offiziellen Erklärung hat das Patriarchat von Konstantinopel das Vorgehen der armenischen Behörden bzw. der armenischen Politik heftig kritisiert. Die Vorführung der Kirchenführer vor Gericht gefährde die Würde und Unabhängigkeit der Armenisch-apostolischen Kirche, hieß es. Konflikte zwischen Kirche und Politik dürften nicht über Strafverfahren ausgetragen werden. Das Patriarchat bekundete seine volle Unterstützung für Karekin II. und die angeklagten Geistlichen und rief die armenischen Behörden auf, die Kirche zu schützen und ihre institutionelle Rolle zu respektieren.

In der Armenisch-apostolischen Kirche gibt es mehrere Patriarchate bzw. Katholikosate. An erster Stelle steht das Katholikosat von Etschmiadzin (Armenien) mit Katholikos Karekin II. an der Spitze. Dann folgen das Katholikosat von Kilikien (Libanon) sowie die Patriarchate von Jerusalem und Konstantinopel. In der Erklärung des Patriarchats von Konstantinopel wird betont, dass der Mutterstuhl von Etschmiadzin von zentraler Bedeutung für die spirituelle Einheit aller Armenier weltweit sei.

Auch der Katholikos von Kilikien, Aram I., hatte sich vor wenigen Tagen in ähnlicher Weise geäußert. Für Aufsehen sorgte zudem auch eine gemeinsame Erklärung der armenischen Bischöfe von Köln (Serovbe Isakhanyan), Bagdad (Oshakan Gyulgyulyan) und Damaskus (Armash Nalbandyan). Sie sahen die Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und die Grundprinzipien eines demokratischen Staates in Armenien ernsthaft gefährdet.

Karekin: "Wir müssen standhaft bleiben"

Nach der Gerichtsverhandlung am 7. August veröffentlichte das Katholikosat von Etschmiadzin eine Erklärung von Karekin II., in der sich dieser entschlossen zeigte, von seinem Kurs nicht abzuweichen. Von Behörden und Regierungsstellen würden Maßnahmen ergriffen, "um die Autorität der Kirche zu untergraben, ihre Autonomie einzuschränken und sie ihrem Willen zu unterwerfen", wetterte das Kirchenoberhaupt. Dies alles geschehe um kurzfristiger politischer Ziele wegen. Die Kirche werde von den Behörden verfolgt. Zahlreiche Geistliche, "Wohltäter des Landes und andere patriotische und kirchennahe Personen" seien aufgrund "unrechtmäßiger und konstruierter" Straftaten verhaftet und in ihrer Freiheit eingeschränkt worden. Man werde sich gegen dieses Vorgehen von Politik und Behörden im Rahmen der verfassungsmäßig garantierten Rechte zur Wehr setzen.

Und weiter hielt Karekin II. wörtlich fest: "Wir müssen standhaft bleiben und gemeinsam beharrlich und nachhaltig gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Intoleranz in unserem Land vorgehen und die Verbreitung von Bösem und Hass verhindern." Es gelte, die nationale Einheit, Solidarität, Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit zu bewahren.

Hinter dem Verfahren steht ein Machtkampf zwischen Ministerpräsident Nikol Paschinjan und dem armenischen Kirchenoberhaupt. Beide forderten bereits den Rücktritt des jeweils anderen.
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