Israelische Armee verstärkt Einsatz gegen Siedler im Westjordanland
13.08.202610:44
(zuletzt bearbeitet am 13.08.2026 um 14:31 Uhr)
Israel/Palästina/Konflikte/Menschenrechte/Militär
Militär löst nach tagelanger Blockade palästinensischer Häuser Siedler-Außenposten auf - Menschenrechtler werfen Armee Duldung von Siedlergewalt vor
Ramallah, 13.08.2026 (KAP/KNA) Nach der Eskalation der vergangenen Tage und Kritik von mehreren Seiten hat die israelische Armee ihren Einsatz gegen extremistische Siedler im Westjordanland verstärkt. In den palästinensischen Dörfern Kusra und Jalud südöstlich von Nablus gingen die Sicherheitskräfte am Donnerstag gegen von Siedlern errichtete illegale Außenposten vor. Die Armee hatte die Truppenstärke in dem Gebiet über Nacht erhöht, nachdem es zuvor zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden war. Bei den Einsätzen wurde nach Armeeangaben ein Israeli festgenommen.
Auslöser der Eskalation ist eine seit Sonntag andauernde Blockade zweier palästinensischer Häuser in Kusra. Extremistische Siedler hatten am Eingang der Häuser einen Außenposten errichtet und die Bewohner am Betreten und Verlassen gehindert. Zudem sollen sie Stromleitungen unterbrochen haben. Eine Mutter und ihre beiden Töchter wurden am Dienstag aus einem der Häuser evakuiert und medizinisch versorgt.
Die israelische Armee hatte das Vorgehen der Siedler am Dienstag als "illegal, verwerflich und inakzeptabel" bezeichnet und das Gebiet zur militärischen Sperrzone erklärt. Medien hatten zuvor berichtet, dass Soldaten zu dem Außenposten gekommen und dort gemeinsam mit Siedlern gebetet hätten.
Am Mittwoch versuchte die Armee erstmals, den Außenposten zu räumen. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Dutzenden Siedlern. Die Einsatzkräfte entfernten ein Zelt und lösten den Außenposten nach eigenen Angaben auf, zogen sich anschließend jedoch zurück. Medienberichten zufolge blieben Siedler vor Ort und versperrten weiterhin den Zugang zu den Häusern.
Menschenrechtler werfen der Armee dennoch vor, Siedlergewalt gegen Palästinenser nicht ausreichend zu verhindern. Die Organisation B'Tselem erklärte am Mittwoch, Siedlermilizen, unterstützt vom Militär, weiteten ihre Angriffe auf palästinensische Dörfer und Städte aus. Ziel der Siedler sei die Vertreibung palästinensischer Familien und die Übernahme ihrer Häuser. Laut der Organisation wurden seit Oktober 2023 insgesamt 64 palästinensische Gemeinden vollständig und 15 weitere teilweise gewaltsam vertrieben. Rund 4.800 Palästinenser seien davon betroffen, darunter etwa 2.300 Minderjährige.
Auch der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, bezeichnete die beteiligten Siedler als "israelische Terroristen". Der frühere Ministerpräsident Naftali Bennett forderte zudem die Wiedereinführung der Verwaltungshaft gegen jüdische Extremisten im Westjordanland.