Rektor Dolna weist Darstellungen zurück, die die Hochschule in die Nähe des Neo-Integralismus rücken - Verweis auf Theologin Hastetter, die Väter- und Konzilshermeneutik Waldsteins einer scharfen Kritik unterzieht
Wien/St. Pölten, 14.09.2026 (KAP) Die Katholische Hochschule ITI im niederösterreichischen Trumau weist Darstellungen zurück, die sie in die Nähe des Neo-Integralismus rücken. Man habe auf die entsprechenden Thesen des Heiligenkreuzer Ordensmannes P. Edmund Waldstein, der als Vordenker des Integralismus in Europa gilt, bereits in Form einer "theologischen Disputatio" im April dieses Jahres "kritisch Stellung bezogen", teilte der Rektor der Hochschule, Prof. Bernhard Dolna, in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress mit.
Inhaltlich schließe man sich der Position der Theologin Michaela C. Hastetter an, die in einem Beitrag für ein Akademisches Forum des ITI die Väter- und Konzilshermeneutik Waldsteins einer scharfen Kritik unterzogen hatte. Waldstein lese die Kirchenväter und die Konzilien bewusst unter integralistischen Vorzeichen und stelle sich damit diametral gegen die Lesart von Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger, hatte Hastetter festgestellt. "Trotz einer Reihe von Löschaktionen im Rahmen der Blog-Beiträge Waldsteins bleibt die hermeneutische Linie seiner Publikationen doch unmissverständlich neo-integralistisch, was dem Prinzipienpluralismus der neo-patristischen Lesart einer politisch akzentuierten Vätertheologie widerspricht."
Mit Ratzinger gegen Waldstein
Früher hätte Ratzinger Waldstein und seine Hermeneutik vermutlich noch als "theokratischen Träumer" eingestuft, so Hastetter; wo jedoch aus diesen "Träumereien" plötzlich handfeste Schlussfolgerungen wie die Todesstrafe für Häretiker oder "Handlungsanweisungen für die Transformation von Demokratien in Gottesstaaten gegeben werden", müsse an Joseph Ratzingers Grenzziehungen erinnert werden: "Wer Tötung Unschuldiger [...] in Kauf nimmt, kann sich nicht auf den christlichen Glauben berufen [...]. Der christliche Glaube hat den Mythos vom göttlichen Staat [...] zerstört", zitierte die Theologin aus einer Predigt Ratzingers 1981 bei einem Gottesdienst mit Abgeordnete des Deutschen Bundestages.
Anlass der Wortmeldung des ITI-Rektors waren Ausführungen der Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger. Diese hatte in einem Gastbeitrag für das Portal "communio.de" auf die Verantwortung Österreichs in der Bekämpfung des Neo-Integralismus hingewiesen und dabei u.a. auf eine zentrale Tagung 2012 am ITI hingewiesen. Dort sprach u.a. einer der Vordenker des Neo-Integralismus - Thomas Pink - und vernetzte sich mit anderen Zentralfiguren wie Alan Fimister, Thomas Crean und P. Edmund Waldstein. Weiters wies Quast-Neulinger darauf hin, dass auch der Austrofaschismus der Jahre 1933/34 unter Engelbert Dollfuß den Integralisten als "realhistorisches Vorbild einer ständischen katholischen Ordnung mit einem autoritären Führer an der Spitze" dient.
Der Neo-Integralismus stecke "theologische fest im Antimodernismus" und sei eine "Ideologie der Angst", auf die es dringend eine seriöse Antwort brauche, hatte Quast-Neulinger erklärt: "Es braucht dringend eine aufmerksame, seriöse Auseinandersetzung mit der Autorität von Offenbarung in der Gestaltung irdischer Ordnung. Wie kann religiöses Wissen im politischen Diskurs mitwirken? Habermas und Böckenförde sind aktueller denn je. Aber wo sind die genuin theologischen Entwürfe?" Eine solche Antwort müsse sich etwa mit der ebenfalls in dem Kontext verhandelten Frage der Zukunft des Liberalismus auseinandersetzen.
Innsbrucker Theologin Quast-Neulinger auf "communio.de": Neo-Integralismus ist "Ideologie der Angst", die auf theologisch falschen Annahmen beruht und "den falschen Weg" weist