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Wahlen in Bosnien: Bischöfe appellieren an Gewissen der Bürger

15.09.2026 13:32
Bosnien-Herzegowina/Kirche/Politik/Wahl/Bischöfe
Erklärung vor Wahl am 4. Oktober - Menschenwürde, Schutz des Lebens, Ehe und Familie, soziale Gerechtigkeit oder Achtung des Rechtsstaates für Bischöfe Kriterien für Wahlentscheidung
Sarajewo, 15.09.2026 (KAP) Bosniens katholische Bischöfe haben an die Bürger des Landes appelliert, sich über die politischen Programme zu informieren und ihre Entscheidung bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2026 frei und nach ihrem Gewissen zu treffen. Die Teilnahme an Wahlen sei nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl, betonten die Bischöfe in einer am Montag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung, wie das Portal "Vatican News" berichtet. In Bosnien-Herzegowina finden am 4. Oktober allgemeine Wahlen statt.

Die Katholische Kirche werde keine Partei oder einzelne Kandidaten empfehlen, hießt es in dem Schreiben. Bei der Wahlentscheidung sollten nach Ansicht der Bischöfe insbesondere die Menschenwürde, der Schutz des Lebens, Ehe und Familie, soziale Gerechtigkeit und die Religions- und Gewissensfreiheit berücksichtigt werden. Auch die Achtung des Rechtsstaates sowie die Förderung von Frieden, Versöhnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt seien von zentraler Bedeutung.

Mit Blick auf die schwierige demografische Situation fordern die Bischöfe zugleich bessere wirtschaftliche und soziale Bedingungen, damit Menschen nicht gezwungen seien, ihre Heimat zu verlassen. Besondere Bedeutung messen sie einem fairen Wahlprozess und der tatsächlichen Ausübung der politischen Rechte aller Bürger und ethnischer Gruppen bei. Sie unterstreichen insbesondere die Gleichberechtigung der ethnischen Gruppen, die Bosnien-Herzegowina konstituieren, und deren Recht auf legitime politische Vertretung.

Politische Macht müsse dem Gemeinwohl dienen und dürfe nicht persönlichen oder parteipolitischen Interessen untergeordnet werden. Ausdrücklich warnen die Bischöfe vor Stimmenkauf, politischem Klientelismus, dem Missbrauch staatlicher Institutionen und Ressourcen sowie vor Manipulationen des Wählerwillens.

Auch das Überstimmen kleinerer ethnischer Gruppen widerspreche den Grundsätzen eines gerechten politischen Systems. Gleichzeitig fordern sie Priester und Ordensleute auf, Kirchen und Gottesdienste von parteipolitischer Wahlwerbung freizuhalten. Kirchliche Autorität dürfe nicht zur Unterstützung einzelner Parteien oder Kandidaten eingesetzt werden.

Abschließend rufen die Bischöfe zu gegenseitigem Respekt und zur Wahrung des Friedens während des Wahlkampfs auf. Unterschiedliche politische Ansichten dürften nicht zu Spaltungen in Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften oder kirchlichen Gemeinschaften führen.

Komplexes politisches System

Rund 3,4 Millionen registrierte Wähler sind bei den anstehenden Wahlen in Bosnien-Herzegowina zur Stimmabgabe berechtigt. Der Staat ist politisch zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten geteilt, daneben gibt es Bürger, die sich keiner der drei konstituierenden ethnischen Gruppen zuordnen. Der größte politische Konflikt dreht sich um das Verhältnis zwischen Bosnien/Herzegowina und der Republika Srpska sowie um die Frage der Zentralisierung bzw. der Autonomie der Entitäten.

Gewählt werden die Mitglieder des dreiköpfigen Regierungsgremiums, dem ein Serbe, Kroate und Bosniake angehören - sowie die Abgeordneten des nationalen Parlaments. Die Wähler im neutralen Wahlkreis Brcko können entweder für den Wahlkreis der Republika Srpska oder für den Föderationswahlkreis stimmen. Gewählt werden aber auch die Präsidenten und Mitglieder der Abgeordnetenkammern in den beiden Entitäten Bosniens: in der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska. Die Versammlungen der zehn Kantone der Föderation Bosnien/Herzegowina werden ebenfalls gewählt.
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