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US-Bischof Boxie fordert stärkere Stimme für schwarze Katholiken

15.09.2026 12:01
(zuletzt bearbeitet am 15.09.2026 um 13:17 Uhr)
USA/Kirche/Rassismus/Gesellschaft
Jüngster katholischer Bischof in den Vereinigten Staaten beklagt rassistische Unterströmung in Kirche
Washington, 15.09.2026 (KAP) Eine stärker vernehmbare Stimme für schwarze Katholiken innerhalb der katholischen Kirche in den USA fordert der neue Washingtoner Weihbischof Robert Paul Boxie. Rassismus sei weiterhin eine Unterströmung in der katholischen Kirche, sagte Boxie im Interview mit dem "Catholic News Service" (CNS). Der 46-Jährige berichtete von eigenen Erfahrungen mit Rassismus im Priesterseminar und forderte eine stärkere Vertretung Schwarzer in der kirchlichen Hierarchie, im Pfarrleben und im Verständnis der Kirche von Heiligkeit. In Kirchen seien häufig nur weiße Heilige dargestellt.

Boxie wurde im Juli zum Weihbischof von Washington geweiht und ist aktuell der jüngste katholische in den USA. Dass manche Menschen glaubten, er sei nur wegen seiner Hautfarbe vom Papst zum Bischof ernannt worden, mache ihm nichts aus, meinte Boxie im CNS-Interview. Ausdrücklich wies er aber die Bezeichnung "DEI-Bischof" (Diversität, Gleichheit, Inklusion) zurück. Der Ausdruck sei ein "dog whistle", also eine verschlüsselte politische Botschaft, mit der suggeriert werde, ein Schwarzer sei im Rahmen eines Diversitätsprogramms und auf Kosten eines besser qualifizierten Kandidaten zum Bischof gemacht worden. Seine Ausbildung, kirchliche Formation und bisherige Tätigkeit sollten aber für sich sprechen, so der Weihbischof, der u.a. an der Harvard Law School studierte und als Anwalt in Washington arbeitete, bevor er Priester wurde.

"Wir brauchen die Stimme afroamerikanischer Bischöfe, Männer in der Hierarchie, in der kirchlichen Struktur, die sich stärker für die schwarze katholische Gemeinschaft einsetzen", sagte Boxie. Vor seiner Bischofsweihe habe es ein Jahrzehnt lang keinen afroamerikanischen Bischof gegeben, der in den USA geweiht worden sei. Auf die Frage, warum es so wenige schwarze Bischöfe gebe, antwortete er: "Die kurze Antwort heißt: Rassismus."

Rassismus im Priesterseminar

Boxie berichtete auch von eigenen Rassismuserfahrungen im Priesterseminar. Dort habe ein Mitseminarist in seinem Zimmer eine Konföderiertenflagge aufgehängt. Er sei darüber "völlig bestürzt" gewesen und habe sich geweigert, das Zimmer zu betreten, solange die Flagge dort hing, schilderte der heutige Bischof. Er habe den Seminaristen darauf angesprochen. Dieser habe die Flagge schließlich entfernt und später das Priesterseminar verlassen.

Jahre später, im Sommer 2020, habe sich der ehemalige Mitseminarist nach dem Tod von George Floyd über Facebook bei ihm gemeldet. Der Mann habe inzwischen an einer katholischen Schule mit vielen schwarzen und hispanischen Schülern gearbeitet und erkannt, dass es falsch gewesen sei, die Konföderiertenflagge aufzuhängen, insbesondere in einem Priesterseminar. Er habe sich dafür bei Boxie entschuldigen wollen. Boxie habe die Entschuldigung angenommen. Anschließend hätten sie offen über Rassismus, die Kirche und die Notwendigkeit gesprochen, "Heiler und Brückenbauer" zu sein und Spaltungen, Ungleichheiten und Missverständnisse zu überwinden.

Dialog statt Konfrontation

Der Weihbischof betonte zugleich, dass er nicht auf Konflikt und Konfrontation setze, sondern auf Dialog. Weiße Katholiken müssten erkennen, dass schwarze Katholiken Teil der Kirche seien, etwas Eigenständiges zu ihrem Leben und Gottesdienst beitrügen und keine Angst vor ihnen bestehen müsse.

Schwarze Amerikaner machen laut US-Volkszählungsbehörde mehr als 15 Prozent der US-Bevölkerung aus. Nach Angaben des Center for Applied Research in the Apostolate (CARA) der Georgetown University identifizieren sich rund fünf Prozent der US-Katholiken als Schwarze. Demgegenüber sind nach derzeit nur fünf von 268 aktiven Bischöfen in den USA Schwarze, zwei davon Afroamerikaner.
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