Leo XIV. erinnert vor kirchlichem Welttag der Flüchtlinge an das unbeschreibliche Leid von Kindern und Jugendlichen auf den Migrationsrouten - Papst bekräftigt in Generalaudienz-Katechese zudem: Fortschritt und Glaube sind kein Widerspruch
Vatikanstadt, 23.09.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat an das oft harte Schicksal von Migranten und Geflüchteten erinnert. Seine Gedanken seien "insbesondere bei Minderjährigen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen", sagte er am Mittwoch im Vatikan anlässlich des Welttags der Migranten und Flüchtlinge, den die katholische Kirche am kommenden Sonntag begeht.
"Kinder und Jugendliche sind am verwundbarsten. Oft erleben sie unbeschreibliches Leid: Gewalt, Folter, Ausbeutung, traumatische Umstände - und nicht selten kommen sie auf den Migrationsrouten ums Leben", mahnte der Papst bei der Generalaudienz vor rund 22.000 Menschen auf dem Petersplatz: "Ich appelliere an die Verantwortung aller. Möge sich jeder mit dem Leben dieser Kinder verbunden fühlen, die stets Schutz und Unterstützung benötigen."
Schon in seiner bereits im August vom Vatikan veröffentlichten schriftlichen Botschaft zu dem Welttag hatte Leo XIV. betont, dass die grundlegenden Rechte eines jeden Kindes geschützt werden müssten - "das Recht auf Leben, auf Bildung und auf Lebensbedingungen, die es ihm ermöglichen, sich körperlich, geistig, seelisch, moralisch und sozial voll und ganz zu entfalten".
Insbesondere an Religionsgemeinschaften appellierte er, Räume zu schaffen, in denen jedes Kind in seiner jeweiligen kulturellen Identität respektiert und wertgeschätzt wird. So könnte der Gefahr einer Radikalisierung durch extremistische Gruppen vorgebeugt werden.
Fortschritt und Glaube kein Widerspruch
In seiner geistlichen Betrachtung bei der Audienz befasste sich der Papst erneut mit der Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), das unter anderem den technisch-wissenschaftlichen und sozialen Fortschritt im Verhältnis zum Glauben behandelt. Dies sei kein Widerspruch, betonte Leo XIV.
Doch hätten einige Denker den technischen Fortschritt als etwas dargestellt, das die Beziehung zu Gott schwächt, bis er überflüssig erscheint, oder sogar als Gegenspieler des christlichen Glaubens. Diese Sichtweise habe zu einer veränderten Weltanschauung im Vergleich zu früheren Epochen geführt, so der Papst, selbst studierter Mathematiker.
Mensch und Gott als Rivalen?
"Ein solches Vorurteil verfestigt sich vor allem in jenem Teil der westlichen Kultur, der seinen Bezug zur christlichen Offenbarung verloren hat", beklagte er. In postchristlichen Humanismen würden der Mensch und Gott fälschlicherweise als Rivalen dargestellt: Um sein Wissen, seine Freiheit und seinen Fortschritt zu bekräftigen, müsse sich der Mensch von Gott emanzipieren. Letztlich gehe jedoch durch die Leugnung der Beziehung zu Gott auch die Möglichkeit verloren, den übersinnlichen (transzendenten) Wert des Menschen zu sehen.
Dagegen betone das Konzil, "dass die Siege der Menschheit ein Zeichen der Größe Gottes und die Frucht seines unergründlichen Ratschlusses sind"; der Mensch sei vom Schöpfer geradezu berufen, sein Werk in seinem Sinne weiterzuführen.
Entscheidend sei, dass die Fortschrittsbemühungen von der Nächstenliebe geleitet seien, unterstrich Leo XIV. Nur so könne eine bessere Zukunft für alle gestaltet werden, insbesondere für die am stärksten Benachteiligten, schloss der Papst.