Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Nachrichten
  • Dossier
  • Media
    • Fotos
    • Audios
    • Videos
  • Produkte
  • Redaktion
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Login
Noch kein Kunde?
Hier finden Sie unsere Produkte

Passwort vergessen?
Hauptmenü anzeigen
Produkte
Produkte
Suche
Login
Inhalt:
Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Salzburg, 27.-30.10.2026
Bild Copyright: © Kathpress/Paul Wuthe

Schewtschuk in Salzburg: "Ich glaube an die Diplomatie"

29.10.2026 11:49
Ukraine/Russland/Krieg/Diplomatie/Friedensprozess/Kirche/Papst
Ukrainischer Großerzbischof am Rande von CCEE-Vollversammlung: Haltung des Respekts und des Zuhörens zwischen den Kriegsparteien vonnöten - Referendum über Friedenslösung gefordert - "Krieg heilig zu nennen, ist Blasphemie" - Dank für Solidarität europäischer Kirchen mit Ukrainern
Salzburg, 29.10.2026 (KAP) Der ukrainische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk wirbt trotz des anhaltenden russischen Angriffskrieges für eine diplomatische Lösung und hält zugleich am Selbstbestimmungsrecht der ukrainischen Bevölkerung fest. "Ich bin kein Prophet, aber ich glaube an die Diplomatie", sagte das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche am Mittwoch im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress und anderen Medien in Salzburg. Schewtschuk äußerte sich am Rande der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), die von 27. bis 30. Oktober in Salzburg stattfand.

Wenn der Krieg als schwerer Verstoß gegen Gott und die Menschenwürde verurteilt werde, müsse die Alternative in der Diplomatie liegen. Dafür müsse man einander begegnen, nachdenken und miteinander diskutieren. Derzeit sei auf russischer Seite eine Geringschätzung der Diplomatie erkennbar, kritisierte Schewtschuk. Diplomatische Beziehungen würden häufig militärischen Entscheidungen untergeordnet und sollten anschließend die aggressiven Pläne der Machthaber rechtfertigen. Notwendig sei dagegen eine Haltung, die den Respekt vor der anderen Seite und die Bereitschaft zum gegenseitigen Zuhören einschließe. Auch schwierige diplomatische und innenpolitische Fragen könnten so gelöst werden.

Mit Blick auf mögliche territoriale Zugeständnisse verwies Schewtschuk auf die ukrainische Verfassung. Über die Abtretung von Landesteilen könne nicht der Präsident allein entscheiden, sondern nur die Bevölkerung im Rahmen eines Referendums. "Er ist nicht der Eigentümer der Ukraine, sondern ihr Diener", sagte der Großerzbischof über Präsident Wolodymyr Selenskyj. Es gehe hier um eine demokratische Grundfrage: In einem autoritären Staat könne ein Machthaber das Land möglicherweise als sein Eigentum betrachten, nicht aber in der Ukraine.

Zudem dürften die Menschen in den seit 2014 von Russland besetzten Gebieten nicht aus dem Blick geraten. "Wir werden sie niemals aufgeben", betonte Schewtschuk. Die Sorge um diese Menschen sei ein wesentlicher Grund dafür, dass die Frage territorialer Zugeständnisse nicht allein als politische oder geografische Angelegenheit behandelt werden könne.

Kirche als gesellschaftliches Netzwerk

Die ukrainische Gesellschaft beschrieb Schewtschuk als ein Netzwerk horizontaler Beziehungen zwischen Menschen. Russland stellte er demgegenüber als hierarchisch organisiertes System dar, das einer starren Pyramide gleiche. In der Ukraine wechselten politische Gruppierungen an der Macht, während es mitunter schwierig sei, dauerhaft stabile staatliche Institutionen aufzubauen. Umso wichtiger sei die Rolle der Kirche, die Menschen miteinander verbinde und gesellschaftliche Beziehungen erneuere.

Der Krieg habe dieses Netzwerk schwer beschädigt. Die Kirche helfe jedoch, entstandene Lücken "durch Liebe und Solidarität" zu schließen. Sie sei damit eine wichtige Infrastruktur der Nation, die zum Überleben und zur Widerstandskraft der Bevölkerung in der schwierigen Kriegssituation beitrage. Auch die politischen Verantwortlichen hätten zunehmend verstanden, wie wichtig diese Funktion sei, sagte Schewtschuk.

Papst-Erfolg für Oleschky

Als Beispiel für die Bedeutung diplomatischer Kontakte verwies Schewtschuk auf seine Begegnung mit Papst Leo XIV. im Vatikan. Das Treffen sei ein Moment der Verbundenheit, Dankbarkeit und des Gebets gewesen. Er habe dem Papst insbesondere für die humanitäre Diplomatie des Heiligen Stuhls gedankt. Dabei sei es unter anderem um die von russischen Truppen besetzte südukrainische Stadt Oleschky gegangen, wo es zuletzt vatikanische Bemühungen um eine Waffenruhe gab. Die Stadt im Gebiet Cherson steht seit 2022 unter russischer Besatzung; nach UN-Schätzungen saßen zuletzt noch bis zu 1.700 Menschen, darunter 47 Kinder, dort fest.

Der Papst hatte sich am 16. Oktober in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine humanitäre Feuerpause in Oleschky eingesetzt und dafür geworben, Hilfslieferungen und die Evakuierung der Bevölkerung zu ermöglichen. Drei Tage später sprach er auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über die Lage in der Stadt, später gab es auch Bemühungen seitens Melania Trump, der First Lady der USA. Seit Dienstag gilt dort eine örtliche Waffenruhe.

"Krieg heilig zu nennen, ist Blasphemie"

Scharfe Kritik übte Schewtschuk in dem Kontext an der politischen Instrumentalisierung der Religion durch die russische Regierung - und er warb zugleich für die Ökumene: "Wenn die Kirche frei wird von der Instrumentalisierung der Religion für ideologische Zwecke, wird keine Kirche ein Hindernis für die Gemeinschaft der Kirche Christi sein", sagte Schewtschuk. Er widersprach damit der Auffassung, die katholische Kirche stehe dem ökumenischen Dialog im Weg. Als Zeichen für die Möglichkeiten kirchlicher Verständigung verwies er auf seine Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel im Vatikan, die am Tag nach seinem Treffen mit Papst Leo XIV. stattgefunden habe.

Schewtschuk äußerte sich auch kritisch zum russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill, der den Krieg gegen die Ukraine unterstützt und religiös zu rechtfertigen versucht. "Krieg heilig zu nennen, ist Blasphemie", sagte der Großerzbischof. Seine Kirche bete für die Umkehr des Moskauer Patriarchen. Ukrainische Kinder beteten täglich für die Umkehr Russlands, erklärte er mit Verweis auf die Bitte der Gottesmutter von Fatima, für Russland zu beten. Um von der eigenen Sünde frei zu werden, sei Umkehr notwendig.

Direkte ökumenische Kontakte mit dem Moskauer Patriarchat gebe es derzeit nicht, sagte Schewtschuk auf Nachfrage. Von dort werde ein solcher Austausch nicht gesucht; vielmehr ziehe man es vor, über die Köpfe der Ukrainer hinweg direkt mit dem Heiligen Stuhl zu sprechen. Zugleich nehme er wahr, dass der Dialog in den kirchlichen Beziehungen zunehmend aufrichtiger und transparenter werde. Seine Kirche sehe darin auch eine Aufgabe, "Prophet der Wahrheit und Transparenz in den Beziehungen zwischen den Kirchen" zu sein.

Kirche als gesellschaftliche Infrastruktur

Trotz der Kriegsbedingungen gehe das kirchliche Leben in der Ukraine weiter. Die Zahl der Menschen, die an Gottesdiensten teilnähmen und Sakramente wie Taufe und Ehe empfingen, nehme zu, sagte Schewtschuk. Die Situation unterscheide sich allerdings je nach Region. In Kiew lebten die Menschen ständig mit Luftalarmen; größere Versammlungen seien unter solchen Bedingungen nicht immer möglich. "Sehr oft müssen wir die Göttliche Liturgie in den Schutzräumen feiern, aber wir sind bei unseren Menschen", sagte der Großerzbischof. Auch dort werde das kirchliche Leben fortgesetzt.

Mit ihrem Dienst leiste die Kirche in der Ukraine auch einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte Schewtschuk. Die ukrainische Gesellschaft sei durch ein Netzwerk horizontaler Beziehungen geprägt, während Russland einem starren hierarchischen System gleiche. Der Krieg habe die Beziehungen zwischen den Menschen schwer beschädigt. "Die Kirche verbindet die Menschen wieder", so der Großerzbischof. Sie helfe, die entstandenen Lücken durch Liebe und Solidarität zu schließen. Die Kirche sei deshalb eine wichtige Infrastruktur der Nation, die den Menschen helfe, die vielseitigen Herausforderungen des Krieges zu bestehen.

Dank für Solidarität europäischer Kirchen mit Ukrainern

Schließlich dankte der ukrainische Großerzbischof den europäischen Kirchen für ihre Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung im russischen Angriffskrieg. Die Unterstützung sei für die Menschen in der Ukraine von großer Bedeutung. "Wir brauchen nicht eure Dinge, wir brauchen euch", sagte Schewtschuk. Die Ukraine brauche Aufmerksamkeit, Liebe, Solidarität und Gebet. Daraus würden auch konkrete gute Taten und humanitäre Hilfe folgen.

Mit Blick auf die nächsten Monate warnte Schewtschuk vor einer besonders schwierigen Situation. "Der kommende Winter könnte der schwierigste seit Jahrzehnten werden", sagte er. Russland zerstöre systematisch die lebenswichtige Infrastruktur ukrainischer Städte und Dörfer. Die Kirche versuche deshalb, den Menschen beizustehen und ihnen Schutz zu bieten. Pfarrgemeinden und Klöster sollten offene Orte sein, an denen Menschen zusammenkommen und bleiben könnten. Die Kirche werde so zu einem Ort der Widerstandskraft, der Liebe und der Solidarität.

Aufnahme Geflüchteter in Österreich

Auch die Kirchen in den europäischen Aufnahmeländern spielten eine wichtige Rolle für die zahlreichen Ukrainerinnen und Ukrainer, die infolge des Krieges ihre Heimat verlassen hätten. Schewtschuk dankte insbesondere den römisch-katholischen Bischöfen, die ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinden Kirchen und andere Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. In Österreich gebe es mit einem eigenen Ordinariat für die katholischen Ostkirchen eine Struktur, die die Aufnahme und Betreuung ukrainischer Priester und Gemeinden erleichtere. Die kirchliche Verbundenheit zeige sich nicht nur in gemeinsamen Überzeugungen, sondern auch in konkretem Handeln, betonte der Großerzbischof.

Als Beispiel nannte Schewtschuk die ukrainische Pfarrgemeinde in Salzburg, die rund 4.000 Menschen umfasse. Die Mitglieder seien sehr aktiv und vermittelten der Stadtgesellschaft die ukrainische Kultur, Traditionen und Anliegen. Zugleich sollten Ukrainer in Europa nicht ausschließlich als Menschen wahrgenommen werden, die Hilfe benötigten. "Die Ukrainer sind Teil eurer Gesellschaft", sagte Schewtschuk. Sie seien nicht nur hier, um Unterstützung zu erhalten, sondern wollten selbst etwas beitragen und Vorschläge sowie Lösungen einbringen.

Junge Frauen mit Kindern

Besonders verwies er auf junge Ukrainerinnen, die in Österreich studierten und künftig das Bild der ukrainischen Gemeinschaft mitprägen dürften. Das derzeitige Bild ukrainischer Migranten in Europa sei häufig von jungen Frauen mit Kindern geprägt, darunter gut ausgebildete Frauen, deren Männer an der Front in der Ukraine kämpften. Dieses Bild werde sich verändern, sagte Schewtschuk. Die ukrainische Gemeinschaft könne zugleich "ein Keim der Hoffnung für die Zukunft Europas" sein.

Schewtschuk erinnerte zudem an die seelsorgliche Aufgabe seiner Kirche gegenüber Menschen, die durch Krieg und Flucht belastet sind. Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche sei keine lokale, sondern eine weltweite Kirche. Durch die kriegsbedingte Migration hätten sich ukrainische Gemeinden in zahlreichen Ländern etabliert oder seien gewachsen. Die wichtigste Aufgabe eines Kirchenoberhaupts sei es, für die Menschen da zu sein und ihnen "Freude und Hoffnung" zu vermitteln.

Schewtschuk nahm an der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) teil, die von 27. bis 30. Oktober in Salzburg stattfand. In einer Ansprache vor den Bischöfen appellierte er, die Unterstützung für die Ukraine angesichts des anhaltenden Krieges nicht nachlassen zu lassen. Russlands Krieg gegen die Ukraine sei "ein Krieg gegen ganz Europa"; durch die gezielte Zerstörung lebensnotwendiger Infrastruktur drohe die winterliche Kälte zu einer Waffe gegen die Bevölkerung zu werden.
zurück
Meldungen
Schewtschuk würdigt Solidarität europäischer Kirchen mit Ukrainern
29.10.2026 11:53
Großerzbischof dankt für Unterstützung im Krieg - Kirche als Zufluchtsort im Winter - Ukrainische Flüchtlinge sollen sich in Europa aktiv einbringen
Schewtschuk: "Krieg heilig zu nennen, ist Blasphemie"
Ukrainekrieg
29.10.2026 11:46
Kiewer Großerzbischof: Ökumenische Konflikte mit Moskau "politisch instrumentalisiert", Hindernisse für Einheit nicht primär theologisch - Kirche als gesellschaftliche Infrastruktur im Krieg
Europas Bischofskonferenz-Vorsitzende in Salzburg
CCEE-Tagung
28.10.2026 12:57
Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) tagt bis 30. Oktober in Österreich

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Katholische Presseagentur Kathpress
1010 Wien, Singerstraße 7/6/2
Tel: +43 / 1 / 512 52 83


© 1947-2026 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
nach oben springen