Prager Erzbischof: Totengedenken verbindet auch religionslose Menschen
30.10.202615:15
Tschechien/Kirche/Feiertage/Allerheiligen/Pribyl
Appell von Erzbischof Pribyl, Allerheiligen und Allerseelen zur bewussten Begegnung mit Menschen außerhalb der Kirche zu nutzen
Prag, 30.10.2026 (KAP) Friedhofsbesuche, Kerzen und gemeinsame Erinnerungen: Das Totengedenken zu Allerseelen am 2. November hat in Tschechien weit über die Kirchen hinaus Bedeutung. Entsprechend appellierte der Prager Erzbischof Stanislav Pribyl zuletzt im Rahmen der Initiative "Zapal sviku" (Zünde eine Kerze an) in der von ihm betreuten Diözese Leitmeritz dazu, das Totengedenken bewusst zur Begegnung mit Menschen außerhalb der Kirche zu nutzen. "Öffnen wir unsere Kirchen und Kapellen - und vor allem unsere Herzen. Seien wir bei den Menschen", appellierte der Erzbischof. Gemeinden und Ehrenamtliche könnten Kerzen bereitstellen und die Namen Verstorbener sammeln, für die gemeinsam gebetet werde. Dabei gehe es um eine offene Einladung ohne Aufdringlichkeit. Die Initiative findet heuer zum zweiten Mal statt.
Vor einem Jahr hatte eine von der Erzdiözese Prag und dem damaligen Erzbischof Jan Graubner beauftragte repräsentative Umfrage ergeben, dass acht von zehn Befragten Allerheiligen bzw. Allerseelen begehen - wenn auch nicht alle in Form kirchlicher Traditionen. 63 Prozent gaben demnach an, zu Allerseelen einen Friedhof zu besuchen, 37 Prozent sagten, sie würden sich zu Hause bewusst an verstorbene Angehörige Erinnern. Einen Gottesdienst besuchen laut Umfrage nur rund fünf Prozent.
Die anhaltend geringe institutionelle Kirchenbindung lässt sich an den Ergebnissen der Volkszählung aus dem Jahr 2021 ablesen: Damals bezeichneten sich 13,1 Prozent der Gesamtbevölkerung als gläubig und einer Kirche oder Religionsgemeinschaft zugehörig. Weitere rund 960.000 Menschen erklärten sich für gläubig, ohne sich einer solchen Gemeinschaft zuzuordnen. Mehr als fünf Millionen Menschen gaben an, keinen religiösen Glauben zu haben. Allerdings ließen 30 Prozent der Bevölkerung die Frage unbeantwortet.
Halloween und Allerseelen nebeneinander
Ein differenziertes Bild ergibt auch die von der Erzdiözese Prag initiierte Befragung, ob mit dem Tod alles endet: 39 Prozent äußerten die Überzeugung, dass das Leben mit dem Tod nicht aufhört. 23 Prozent verneinten eine Existenz nach dem Tod; weitere 39 Prozent zeigten sich unsicher.
Halloween ist im übrigen fest im tschechischen Festkalender verankert: Nach einer jüngst veröffentlichten Umfrage des auch in Tschechien aktiven österreichischen Handelsunternehmens "Billa" feiern 24 Prozent der Befragten Halloween entweder für sich oder in Verbindung mit anderen Herbsttraditionen. 56 Prozent begehen ausschließlich Allerseelen, während 19 Prozent keine dieser Traditionen pflegen.