Leo XIV. drängt auf internationale Regeln für Künstliche Intelligenz
30.10.202617:23
Vatikan/Papst/Technologie/Forschung/Waffen/KI
Papst bei KI-Konferenz im Vatikan: Internationale Aufsicht, klare Verantwortlichkeiten und Verbot tödlicher autonomer Waffensysteme - KI muss Menschen dienen und am globalen Gemeinwohl ausgerichtet sein
Vatikanstadt, 30.10.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat konkrete internationale Schritte zur Regulierung Künstlicher Intelligenz gefordert. Es brauche wirksame Institutionen, die ethische Prinzipien in die Praxis umsetzen und das globale Gemeinwohl schützen, sagte er am Freitag bei einer Audienz für Teilnehmer einer KI-Konferenz im Vatikan. Notwendig seien "gemeinsame Standards, eine unabhängige Aufsicht sowie klare Rechenschaftsmechanismen", damit Entscheidungen über Entwicklung und Einsatz von KI überprüft und mögliche Schäden behoben werden könnten. Bisher gebe es hier kaum Fortschritte, was ihm "Unbehagen" bereite.
Die "Zukunft der KI" - so auch der Titel der von der Päpstlichen Akademie für das Leben gemeinsam mit dem Future of Life Institute veranstalteten Konferenz - sei "nicht vorbestimmt", sondern hänge von menschlichen Entscheidungen ab, hob das Kirchenoberhaupt hervor. Entscheidend sei nicht nur, was die Technologie leisten könne, sondern wozu sie eingesetzt werde. "Ein verlässliches System, das dem Menschen dient, ist wertvoller als ein System, das zwar außerordentlich leistungsfähig ist, dessen Folgen jedoch nicht hinreichend absehbar oder kontrollierbar sind", betonte der Papst.
Wichtig sei auch ein Bewusstsein dafür, dass Maschinen "Werkzeuge, keine Personen" seien, so Leo XIV. weiter. Sie hätten weder Körper noch Erfahrungen, empfänden weder Freude noch Schmerz, reiften nicht durch Beziehungen und könnten die Bedeutung von Liebe, Freundschaft oder Verantwortung nicht erfassen. Forderungen, KI-Systemen Rechte oder eine Rechtspersönlichkeit zuzuerkennen, seien deshalb problematisch: "Ein solcher Ansatz birgt die Gefahr, die menschliche Verantwortung zu verschleiern und Betroffene, die Schaden erleiden, mit einem gesichtslosen Gebilde allein zu lassen."
Letztentscheidung muss beim Menschen bleiben
Entscheidungen über menschliches Leben, Freiheit und Gewalt dürften nicht an KI delegiert werden, forderte der Papst. Wer etwa auf eine Zielliste gesetzt oder in eine Datenbank für Grenzkontrollen aufgenommen werde, drohe auf einen bloßen Datenpunkt reduziert zu werden. Solche Entscheidungen müssten "stets einer wirksamen, informierten und verantwortungsvollen menschlichen Aufsicht unterliegen".
Zudem müsse KI "entwaffnet" werden. Leo XIV. appellierte an die Staaten, in Genf bei der Mitte November anstehenden Jahreskonferenz zum UN-Waffenübereinkommen konkrete Schritte zum Verbot tödlicher autonomer Waffensysteme zu setzen. Der Papst verwies hier auch auf seinen Vorgänger Franziskus, der KI 2024 vor den G7-Staaten als "zugleich faszinierendes und furchteinflößendes Instrument" bezeichnet hatte. Damals hatte Franziskus insbesondere davor gewarnt, Maschinen die Entscheidung über die Beendigung menschlichen Lebens zu überlassen.
Technologische Innovation müsse allen Menschen zugutekommen und dürfe nicht den Interessen weniger Privilegierter dienen, unterstrich der römische Pontifex. Die "Früchte des Fortschritts" müssten gerecht geteilt werden, insbesondere mit den Bedürftigsten. Gerechtigkeit erfordere einen breiten Zugang zu den Vorteilen der Innovation, etwa bei Versorgung, Wissen und Bildung.