Wiener Piaristenschule Maria Treu feiert 325-jähriges Bestehen
05.11.202615:04
Österreich/Bildung/Geschichte/Schule/Orden
1701 gegründete Schule in der Josefstadt eine der ältesten Bildungseinrichtungen der Bundeshauptstadt - Bildung unabhängig von sozialer Herkunft bis heute Auftrag des Piaristenordens
Wien, 05.11.2026 (KAP) Die Piaristenvolksschule Maria Treu und das Piaristengymnasium im achten Wiener Gemeindebezirk feiern heuer ihr 325-jähriges Bestehen. Der Piaristenorden hatte die Schule am 16. November 1701 in der damals neu entstehenden Vorstadt Josefstadt eröffnet. Sie zählt zu den ältesten Bildungseinrichtungen Wiens. Während das Gymnasium 1870 im Zuge einer Schulrechtsreform verstaatlicht wurde, führt der Orden die Volksschule seit 1925 wieder als Privatschule.
Ursprünglich bestand die Einrichtung aus einer dreiklassigen deutschen Schule für Lesen, Schreiben und Rechnen sowie einer zweiklassigen Lateinschule mit Fächern wie Griechisch, Mathematik und Geografie. Die Volksschule startete mit 378 Schülern, die höhere Schule mit 75. Bereits ab 1732 boten die Piaristen auch unentgeltlichen Unterricht für arme Kinder an. Damit folgten sie dem Bildungsverständnis ihres Ordensgründers Josef Calasanz, der 1597 in Rom die erste unentgeltliche Volksschule für arme Kinder gegründet hatte. Sein Leitgedanke "Pietas et litterae - Glaube und Wissen" bestimmt die pädagogische Ausrichtung des Ordens bis heute.
Maßgeblich prägten die Piaristen darüber hinaus die Entwicklung des österreichischen Schulwesens mit. Kaiserin Maria Theresia zog regelmäßig Piaristen als Bildungsexperten zu Rate, wie etwa Gratian Marx, auf dessen Vorschlägen unter anderem die 1764 erlassene Schulordnung für die habsburgischen Länder beruhte. Auch die Schulreform von 1850, mit der acht Gymnasialklassen, das Fachlehrersystem und die Matura eingeführt wurden, ging wesentlich auf Ideen des Piaristenpaters Franz Innozenz Lang zurück. Im 18. Jahrhundert betrieben die Piaristen rund zwei Dutzend Gymnasien in der österreichischen Ordensprovinz und gehörten damit zu den prägenden Kräften des mittleren Bildungswesens.
Die jüngere Geschichte der Schule war von mehreren politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Volksschule geschlossen. Das Gymnasium musste 1938 jüdische Schüler ausschließen und wurde 1944 geschlossen. 1945 erfolgte die Wiedereröffnung, seit 1948 werden auch Mädchen aufgenommen. Heute umfasst die Volksschule zwölf Klassen und einen Hort.
Neben der Volksschule betreiben die Piaristen am Standort Maria Treu einen siebengruppigen Kindergarten und drei Kindergruppen. Eine weitere private Volksschule mit Hort befindet sich in St. Thekla im vierten Wiener Gemeindebezirk. In Krems engagiert sich der Orden in der Studierendenseelsorge. Österreichweit wirken derzeit 14 Piaristen an vier Standorten. Weltweit betreiben rund 1.400 Ordensmitglieder in 43 Ländern Bildungseinrichtungen, insbesondere für arme und benachteiligte Kinder. (Info: www.piaristen.at)