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Professorin für Ethik an der Loyola Universität von Chicago
Religion & Politik
Bild Copyright: © Kathpress / Henning Klingen

Theologin: Thiel für Demokratie gefährlicher als Neo-Integralismus

15.10.2026 16:34
Österreich/Kirche/Religion/Politik/Kultur/Haker
In USA lehrende Theologin Haker bei Pressegespräch in Wien: Neo-Integralismus vor allem im rechtsphilosophischen Diskurs verortet, Thiel hingegen arbeitet offensiv an der Zerstörung der Demokratie - Oppositionsbewegung in USA viel stärker, als man das in Europa wahrnimmt
Wien, 15.10.2026 (KAP) Als "wirklich, wirklich gefährlich" für die US-amerikanische Demokratie hat die in den USA lehrende Theologin Prof. Hille Haker den Tech-Milliardär und libertären Denker Peter Thiel bezeichnet. Während man sich im europäischen deutschen Sprachraum vor allem mit den theologischen Denkfiguren Thiels (Antichrist, Katechon) befasst, drohe man aus den Augen zu verlieren, dass Thiel inzwischen über sein Fellow-Netzwerk nicht nur eine Ideen-, sondern auch eine personelle Kaderschmiede betreibe und die Absolventen in entsprechende politische und gesellschaftliche Positionen bringe, sagte Haker bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien.

Thiel bekämpfe die Demokratie aktiv, "weil er sie nicht in der Lage sieht, mit den Riesentransformationen der Gegenwart fertig zu werden". Alternativ schwebe ihm eine "Elitenherrschaft" vor, in der die Tech-Elite des Silicon Valley großen Einfluss habe und der Personen wie etwa Vizepräsident James David Vance vorstehen. "Und wo das hinführt, sehen wir tagtäglich schon jetzt", sagte die an der Loyola University of Chicago lehrende Theologin und Ethikerin unter Verweis u.a. auf die Abschiebepraxis der ICE-Behörden (Immigration and Customs Enforcement). Die theologischen bzw. akademischen Ambitionen Thiels erachte sie als in der Sache "lächerlich". Thiel hantiere mit Versatzstücken, die letztlich nur einer Relecture des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt (1888-1985) entspringen.

Neo-Integralismus: P. Waldstein weitgehend unbekannt

Die Debatte um den Neo-Integralismus, wie sie im deutschen Sprachraum und speziell mit Fokus auf den Heiligenkreuzer Ordensmann P. Edmund Waldstein geführt werde, sei eine eigene, vorrangig akademische "Bubble" und spiele in der amerikanischen Öffentlichkeit und auch im religionspolitischen Ringen um Einfluss auf die US-Regierung keine große Rolle, so Haker weiter. Vertreter wie der an der Harvard-Universität lehrende Rechtswissenschaftler Adrian Vermeule oder der an der katholischen Notre Dame-Universität lehrende Politikwissenschaftler Patrick Deneen würden diese Debatten in den USA im Bereich der Rechtsphilosophie führen - "der Name Waldstein ist bekannt, aber mit dem verbindet man das alte Europa", so Haker.

Entscheidend im Blick auf den künftigen Einfluss der christlichen Rechten auf die US-Politik seien indes die kommenden Midterm-Wahlen und die weitere Entwicklung der oppositionellen Kräfte. Tatsächlich sei der oft hochgejubelte Vance "nicht sonderlich beliebt" in den USA und er verfüge auch in den katholischen Wählerkreisen über keinen besonderen Rückhalt - auch wenn er versuche, mit konservativen Familienthemen zu punkten.

Widerstandsbewegung in USA ist "riesengroß"

Hoffnungen setze sie vor allem auf Opposition, die wiederum aus zahlreichen, auch christlichen Bewegungen und Einrichtungen bestehe. Derzeit gebe es eine "riesige Mobilisierung" vor den Midterms - auf Seiten der Demokraten und in diesen Bewegungen. Sie eine die Sorge um die Demokratie und der Wille, um die amerikanische Demokratie zu kämpfen. "Es gibt eine riesengroße Widerstandsbewegung, auch wenn man die in den Medien nicht so wahrnimmt", so Haker. Diese Bewegung bestehe aus vielen dezentralen Bewegungen, die sich für Menschen am Rand der Gesellschaft, gegen Armut, für Migranten etc. einsetze. "Das ist das andere Amerika, das an allen Ecken und Enden da ist" und sich als Graswurzelbewegung in den kleineren Städten und Gemeinden entwickle.

Haker: "Wir gehen nicht nach Washington und machen eine zentrale Demonstration. Wir machen das dezentral und gehen in die Vororte. Dann kommen wir vielleicht nicht ins Fernsehen, aber es ist wichtig für unsere Stadt. Und daraus wachsen Initiativen weiter." Sie selber etwa gehe "mit Trillerpfeife und einer Melde-App" durch ihre Gemeinde und melde, wenn sie die ICE-Beamten irgendwo sehe, damit Leute gewarnt sind und nicht auf die Straße gehen. So entstehe ein großes Netzwerk an Solidarität und gelebtem Widerstand: "So geht das", so Haker abschließend.

Haker hielt sich auf Einladung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien in Wien auf. Am Donnerstagabend wird sie den Festvortrag im Rahmen des heurigen "Dies facultatis" zur Eröffnung des neuen Studienjahres halten. Das Pressegespräch wurde gemeinsam von Kathpress, dem Verband Katholischer Publizistinnen und Publizisten in Österreich sowie der Katholisch-Theologischen Fakultät organisiert.
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Pressegespräch am 15. Oktober 2026 in Wien
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Professorin für Ethik an der Loyola Universität von Chicago
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